Ein Zwischenruf zur … : ... Integration

Ursula Weidenfeld über Pakistani, die sich in den USA leicht, in England aber schwer integrieren.

Ursula Weidenfeld

Wenn über Migranten gesprochen wird, dann wird von Bildung und Spracherwerb geredet. Es wird gefordert, dass Migrantenkinder früh und lange in den Kindergarten gehen sollen, damit sie Deutsch sprechen, wenn sie in die Schule kommen. Zu Recht.

Erstaunlich ist, dass die Erwachsenen dabei aus dem Blickfeld geraten. Dabei sind sie es, die sich auf den Weg machen. Sie aber werden immer noch von einem „fordern und fördern“-Nebel umhüllt, der verdeckt, dass man immer noch zu wenig Ideen für erfolgreiche Integration hat – zumal dann, wenn der Arbeitsmarkt schwieriger wird. Wer dem Kindheitsalter entwachsen ist und die Integration nicht geschafft hat, ist für die Mehrheitsgesellschaft, für den Arbeitsmarkt und für ein erfolgreiches und gelingendes Leben im neuen Land in der Regel verloren. Das sagt niemand laut. Aber trotzdem ist es so.

Dabei gibt es Hinweise, unter welchen Bedingungen sich Erwachsene schnell und gut integrieren. So ist die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt in jenen Ländern besonders erfolgreich, in denen die erste Einwanderergeneration auf Bürgerrechte, Teilnahme an den sozialen Sicherungssystemen und Staatsbürgerschaft warten muss. Die Schweden beispielsweise gewähren ihren Migranten schnell Zugang zu den Sozialsystemen. Die Österreicher tun das nicht. Die Folge: In Schweden sind Migranten am schlechtesten in den Arbeitsmarkt integriert, in Österreich vergleichsweise gut.

Bemerkenswert sind auch die Unterschiede zwischen den Zielländern. So sind Pakistani, die in die USA gehen, in der Regel schon in der ersten Generation gut integriert. In England dagegen ist die Wahrscheinlichkeit viel geringer, dass ein pakistanischer Einwanderer Karriere macht. Warum? Die Forscher sagen, dass Pakistani in den USA schnell Kontakt zu anderen Pakistani finden, die arbeits- und aufstiegsorientiert sind. Einwanderer nach England dagegen verschlägt es oft in Viertel, in denen viele Pakistani leben, die sich nicht in den Arbeitsmarkt eingliedern konnten. Die Kontakte und das gute Beispiel zählen, sagen die Migrationsforscher – mehr als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe. Das gilt übrigens auch für die türkischen Einwanderer nach Deutschland.

Auch daraus ließen sich Schlüsse ziehen, wenn man sie ziehen wollte: Die Integration in den Arbeitsmarkt hängt entscheidend davon ab, mit wem Migranten umgehen und wie schnell sie Zugang zu den sozialen Leistungen eines Landes haben. Das ist unbequem. Und trotzdem wahr.

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