Ein Zwischenruf zur… : … politischen Klasse

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Nach zwei Wochen Sarrazin und drei Tagen Steinbach, nach einer mäßig komischen Rede des Bundesgesundheitsministers in einem niederbayerischen Bierzelt wissen wir es genau: Die Deutschen haben nicht nur ein Problem mit der Meinungsfreiheit. Sie haben ein massives Problem, Unterschiede zu machen. Sauertöpfisch wird auf alles eingedroschen, was nicht politisch korrekt ist – oder auch nur als nicht politisch korrekt erscheint. Egal ob ein ebenso arroganter wie tapsiger ehemaliger Finanzsenator sich bei den Genen verhaut, ob eine Vertriebenen-Präsidentin das Wort „Polen“ an falscher Stelle in falschem Zusammenhang sagt: Wer sich nicht umgehend entschuldigt, muss weg. Ob ein Pfarrer in den USA droht, den Koran zu verbrennen oder ob ein Gesundheitsminister ein paar abgedroschene Witze über die Bundeskanzlerin macht: Es ist nicht so wichtig, ob etwas gefährlich, harmlos oder nur geschmacklos ist. Wichtig ist, dass eine Plattform für die Guten, die Nachdenklichen, die Intellektuellen, die Eitlen und die ewig Besorgten entsteht. Das Erregungsniveau scheint immer gleich zu sein, mit frommer Miene werden unterschiedslos der Welt-, der europäische oder auch nur der Koalitionsfriede beschworen. Wenn aber am Ende alle nur noch dasselbe denken dürfen, woher sollen dann, bitte schön, noch neue Gedanken, neue Wege und eine neue Dynamik für das Gemeinwesen kommen?

Warum lacht hier eigentlich niemand? Allein die Vorstellung, Polen wäre im März 1939 auf die Idee gekommen, Hitler-Deutschland zuerst mächtig eins überzubraten, ist so absurd, dass nicht einmal Erika Steinbach so etwas ernsthaft über die Lippen bringen könnte. Und wenn sie es täte, wäre das heute noch gefährlich? Nein, es wäre absurd. Man könnte sich schlapp lachen über den ungelenken Philipp Rösler, der einer Barbiepuppe mit dem Konterfei Angela Merkels 40 Hosenanzüge kaufen will. Aber man tut es nicht. Nicht nur die Kanzlerin sei sehr verstimmt gewesen, hört man.

Dass der Islamist nicht gerne lacht, ist bekannt. Die politische Klasse dieses Landes aber kann es auch nicht mehr. Sie hat verlernt, Großes wichtig zu nehmen und Kleines wegzulachen. Es fehlt nicht an Aufmerksamkeit für die wirklichen Attacken auf das demokratische Selbstbewusstsein des Landes. Es fehlen Gelassenheit und Humor. So relativiert sich das Große und Gefährliche im Lächerlichen. Das Lächerliche aber bekommt relevante Dimensionen. Das ist bizarr – und gefährlich.

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