Meinung : Eingeübte Rituale

„Tick, Trick und Tragik / Sie fluchen, juchzen und sie schimpfen. Griechenland helfen? Ja oder Nein. Und vor allem: zu welchen Bedingungen? Ein ganzes Parlament auf Adrenalin“ von Robert Birnbaum vom 8. Mai

Das ist es, was unser Parlament tatsächlich macht: Kasperletheater aufführe,. Und dann wundern sich die Damen und Herren im Hohen Haus über die Politikverdrossenheit im Volk. Macht endlich eure Arbeit statt Vorstellungen fürs Volk zu geben. Zu tun gibt es in angesichts der Zustände in diesem Land genug!

Markus Methner, Berlin-Köpenick

Es war eigentlich alles wie immer. Die Szene der Bundestagsdebatte war beherrscht von eingeübten Ritualen, den politischen Gegner abwertender Gestik und Mimik. Man schüttelte zum Nachahmen den Kopf, kramte in Unterlagen, telefonierte ganz hektisch, vertiefte sich in Zeitungen oder verließ gleich den Plenarsaal, sobald Unangenehmes gesagt wurde, um dem Bürger draußen zu suggerieren, welche Meinung er von dem entsprechenden Redebeitrag gefälligst haben solle. Traf die Sache aber mal den Punkt, wie beispielsweise die Rede der Vorsitzende der Linken, die Ross und Reiter nannte, in dem sie die Spekulanten mit „Taliban in Nadelstreifen“ verglich, was noch eine harmlose Formulierung ist, handelte sie sich dafür einen biedermeierlichen Ordnungsruf des Parlamentspräsidenten ein. Pfui, kann man da nur sagen, angesichts von so wenig Fingerspitzengefühl, hier die beleidigte Leberwurst zu spielen. Man wollte wieder eine moralische Volte gespielter Entrüstung vor der Öffentlichkeit drehen.

Als müsse man die „freien Radikalen“ gegen solch harmlose Vergleiche auch noch in Schutz nehmen. Die Finanzwelt zur Ordnung zu rufen wäre angebrachter, angesichts Billionenschäden, die den Gesellschaften weltweit durch krankhaft-aberwitzige Spekulationspsychopathen beschert wurden und wahrscheinlich niemals zurückbezahlt werden, und wenn, dann von den Steuerzahlern über mehrere Generationen, sollte eine Inflation uns nicht von allem Übel und Zukunftsträumen endgültig befreien.

Wolfgang Gerhards, Berlin-Tempelhof

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