Ein Zwischenruf zu Lehrern : Bildung und Fortbildung

Was genau macht einen schlechten Gymnasiasten aus und was einen guten Lehrer? Sicher ist nur, dass Deutschland leistungsstarke, professionelle Schulpädagogen braucht. Deshalb ist es ein Skandal, dass es hier keine ständige Fortbildung als berufsbegleitende Verpflichtung gibt.

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Wird, wer nichts wird, Lehrer?
Wird, wer nichts wird, Lehrer?Foto: dpa

Kann ein schlechter Abiturient ein guter Lehrer werden? Diese Frage müssten sich die Kultusminister stellen, nachdem eine Umfrage unter Abiturienten offenbarte, dass nicht die Einser- und Zweier-Absolventen ein Lehrerstudium beginnen, sondern eher die sehr mittelmäßigen Abiturienten.

Doch was genau macht einen schlechten Gymnasiasten aus und was einen guten Lehrer? Kann nicht der strebsame, ehrgeizige Einser-Abiturient später im Lehrerberuf in dem Maße versagen, wie der durchschnittliche Schüler als Lehrer erfolgreich sein kann? Sicher ist nur, dass Deutschland leistungsstarke, professionelle Schulpädagogen braucht, und wer diesen Beruf wählt, ist erst einmal der Richtige, denn es gibt keine anderen. Und wer das Monopol hat für die Ausbildung, der Staat mit seinen Studienordnungen und den Staatsexamina, muss für ein gutes Ausbildungsfundament sorgen.

Was in Deutschland fehlt, ist ständige Fortbildung als berufsbegleitende Verpflichtung

Doch das reicht bei Weitem nicht aus. Professionalität, souverän handeln unter Druck, das lässt sich nicht im Studium erwerben, sondern erst in der Berufspraxis. Allerdings nicht einfach so nebenbei im Kurzzeitkurs, den man mal belegen kann.

Was in Deutschland fehlt, ist ständige Fortbildung als berufsbegleitende Verpflichtung. Ärzte tun es, Anwälte auch, nur Lehrer nicht. In europäischen Ländern und in den USA ist das anders. Da kann in einigen Bundesstaaten die Lizenz zum Unterrichten gar einkassiert werden, wenn die geforderte Weiterqualifizierung nicht nachgewiesen wird. Bei uns verlangen bisher Hessen und Hamburg von den Lehrern wenige Leistungspunkte. Viele bilden sich freiwillig weiter, investieren Zeit und Geld. Viele aber auch nicht. Wer mit fünfundzwanzig Jahren das Zweite Staatsexamen in der Tasche hat, kann bis zur Pensionierung, also etwa vierzig Jahre lang, ohne jede Fortbildung vor der Klasse stehen. Dabei gibt es Fortbildungsangebote ohne Verpflichtung wie Sand am Meer, doch deren Wirkung ist armselig. Das ist der Lehrerfortbildungsstandard in einem Land, dessen Zukunft von klugen Köpfen abhängt.