Ein Zwischenruf zum … : … Burn-out

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Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski droht der Burn- out. Deshalb gibt er seinen Posten auf. Der Mann ist 53. Der Fußballtrainer Ralf Rangnick räumt bei Schalke 04 über Nacht seine Position. Ausgelaugt. Auch er ist 53.

Wenn Menschen in den besten Jahren die Arbeit ruhen lassen, weil sie erschöpft sind, ist Deutschland zu Recht alarmiert. Die 50- bis 60-Jährigen sitzen schließlich am Steuerrad der Republik. Nicht nur in Unternehmen und Fußballvereinen, auch in der Politik. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn Angela Merkel (57) in diesen Tagen bei ihrem Hausarzt um ein Attest wegen Müdigkeit betteln würde, anstatt sich der Euro-Rettung zu widmen. Wenn es darauf ankommt, kann sich Deutschland Erschöpfungszustände nicht leisten. Jetzt kommt es darauf an. Und doch grassiert der Burn-out. Schulkinder sind betroffen, Mütter, Pfleger, Künstler, Journalisten, Unternehmer, Manager. Die überforderte Kindheit sei schuld, die enge Taktung von Arbeitszeiten, die Blackberryisierung des Lebens. Eigentlich erstaunlich. Niemals zuvor haben Menschen so wenig Arbeits- und so viele Mußestunden gehabt. Warum sind sie erschöpfter als die Generationen zuvor? Sind sie es tatsächlich? Oder schafft hier das Angebot einer wachsenden Hilfs- und Unterstützungsindustrie seine Nachfrage?

Burn-out ist ein Milliardenmarkt geworden. Psychologen bieten Gesprächs- und Verhaltenstherapien an. Personalchefs buchen Unternehmensberater und Coaches. Private Kliniken nehmen die Erschöpften gerne auf. Zeitschriften mit Burn-out-Titelseiten verkaufen sich besonders gut. Es gibt viele, die ein Interesse daran haben, dass der Strom der Ausgelaugten nicht abreißt.

Erschöpfungszustände vor allem in der mittleren Generation hat es immer gegeben. Nur wurden die Ursachen dafür früher eher in der Person der Betroffenen gesucht. Frauen galten als hysterisch, wenn ihnen ihr Leben über den Kopf wuchs. Männern wurde eine Midlife-Crisis attestiert, wenn ihnen beruflich und privat die Ziele abhandenkamen.

Heute aber gilt der Arbeitsplatz als Grund für den Nervenzusammenbruch. Nur so lässt sich aus einer gelegentlichen Krankenkassenleistung ein richtiger Markt machen. Nur so kann aus der tatsächlichen Krankheit einiger weniger eine richtige Massenhysterie werden.

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