Ein Zwischenruf zur Abgabendebatte : Mehr Respekt, bitte!

Wir brauchen ein Motivationsprogramm für Steuerzahler, das sie ehrt, motiviert und mündig macht. Denn jeder Politiker gibt fremdes Geld aus.

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Wir bauen für Sie - aber vor allem bauen wir mit Ihren Steuergeldern.
Wir bauen für Sie - aber vor allem bauen wir mit Ihren Steuergeldern.Foto: dpa

Über Steuerbetrüger, vor allem prominente, herzuziehen, ist derzeit ein beliebter Volkssport. Das mag ja den Empörungspegel hochschnellen lassen, aber inspiriert es auch zur Steuerehrlichkeit? Im Gegenteil. So mancher kleine Steuersünder mag sich nun sogar honorig fühlen, weil er nicht um Hunderttausende betrogen hat wie die reichen Promis, sondern nur um wenige hundert Euro, wenn er beispielsweise seinen Umsatz im Geschäft nicht ganz korrekt angegeben oder vom Handwerker keine Rechnung verlangt hat. Wäre es nicht sinnvoll und wahrscheinlich einträglicher – finanziell und moralisch –, ein Motivationsprogramm fürs Steuerzahlen aus der Taufe zu heben, statt sich auf Drohungen und strengere Verbote zu konzentrieren? Wie könnte das aussehen?

Der Steuerzahler ist die Majestät im Land, ohne sein „Moos“ ist gar nichts los. Allein die Lohn- und Einkommensteuerzahler zahlen jährlich rund 200 Milliarden (Statistik 2012) Euro in die Staatskassen. Doch wer erwähnt das mal, beispielsweise auf Bauschildern? Da rühmt sich regelmäßig das zuständige Ministerium. Vom Finanzier, dem Steuerzahler, redet keiner, obwohl Anerkennung motiviert und selbstbewusst macht.

Das deutsche Steuersystem durchschaut niemand; selbst Steuerberater und Finanzbeamte kapitulieren bei vielen Fragen. Überhaupt Fragen: In den Vereinigten Staaten erkundet die Bundessteuerbehörde (Internal Revenue Service) jährlich die Einstellungen der Steuerzahler. Wann hat es das jemals in Deutschland gegeben? Eine Frage lautet „Was ist Ihnen als Steuerzahler sehr wichtig?“. Antwort: dass Unternehmen und Einkommensstarke ehrliche Zahler sind.

In Polen und Italien darf ein geringer Prozentsatz der Steuerschuld ausgewählten, gemeinnützigen Organisationen überlassen werden. Das ist Steuerverteilung von unten. Warum nicht auch bei uns? Jeder gibt sein Geld doch gern selbst aus. Politiker dagegen geben fremdes Geld aus. Ist ihnen das bei jeder Finanzierung bewusst? Mitnichten, sonst gäbe es wohl weniger parteipolitische Klientelpolitik. Und die ist kein Deut besser als privater Steuerbetrug.

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