Endlagersuche : Bringt endlich den Müll runter!

Einigung auf Neustart: Die Voraussetzungen für ein Endlager für radioaktiven Abfall sind durchaus da.

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Die Niederländer machen es richtig. Das Gebäude, in dem sie ihren radioaktiven Abfall lagern, ist leuchtend orange und schon von Weitem sichtbar. Wie eine ständige Erinnerung: Seht her, hier ist ein Problem, kümmert euch darum!

In Deutschland hingegen werden die strahlenden Reste hinter unauffälligen Betonburgen verwahrt. So kann der Eindruck entstehen, der radioaktive Abfall sei umsorgt und braucht uns nicht weiter zu beschäftigen. Das wäre jedoch die falsche Botschaft. Nachdem das Land jahrzehntelang Strom aus Kernkraftwerken genutzt hat – und das voraussichtlich noch bis 2022 tun wird – muss es sich endlich um die Abfälle dieser Energietechnik kümmern.

Wie im Haushalt gibt es auch in der Kerntechnik Mülltrennung. Für schwach- und mittelradioaktive Stoffe wie Kleidung von Kraftwerksmitarbeitern oder Abfälle aus der Medizin wird zurzeit Schacht Konrad bei Salzgitter vorbereitet. Für hochradioaktive Stoffe, wie abgebrannte Brennelemente, gibt es noch kein Konzept. 28 000 Kubikmeter dieses stark strahlenden Abfalls, so viel wird bis zum Atomausstieg wohl angefallen sein, müssen irgendwohin.

Am besten in den Untergrund. Denn es ist unverantwortlich, unseren Enkeln die Stahlbetonbunker zu hinterlassen, die den Müll ihrer Großeltern bewachen. Zudem: Über vier, fünf Generationen mögen die Lager mit entsprechender Vorbereitung sicher sein. Doch wie sehen sie nach ein paar Jahrhunderten aus? Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, was selbst in einem kurzen Zeitraum auf der Erdoberfläche alles passiert ist. Darum muss der Müll nach unten.

Die Möglichkeiten dafür sind vorhanden. Es gibt in Deutschland sogar mehrere Gesteinsarten, die nach Ansicht von Experten denkbar sind, vom Granit über Tongesteine bis zum Steinsalz. Abgesehen vom Westen der Republik, wo es aus geologischer Sicht gerade erst Vulkanausbrüche und stärkere Erdbeben gab, sind große Teile des Landes längst zur Ruhe gekommen, so dass eine Endlagerung über lange Zeit möglich erscheint.

Dass der Abfall tatsächlich eine Million Jahre in seinem dunklen Grab bleibt, kann keiner garantieren. Egal, welchen Endlagertyp man wählt, es gibt immer Schwachstellen. Das Risiko muss eine moderne Gesellschaft, wie in allen anderen Lebensbereichen auch, akzeptieren. Aber sie kann und muss ihre Fähigkeiten einbringen, um das Risiko möglichst klein zu halten. Zum Beispiel durch eine detaillierte Erkundung des Untergrunds, robuste Abfallbehälter und eine Endlagerung in großer Tiefe.

Die Idee, der Müll könne bald mit neuen Verfahren unschädlich gemacht werden, sollte mit Vorsicht bedacht werden. Angesichts der großen Abfallmengen und des nötigen – auch finanziellen – Aufwands erscheint diese Variante bisher kaum geeignet, das Atommüll- Problem zu lösen. Darum muss die Suche nach einem Endlager endlich vorankommen.

Bei anderen Abfallstoffen, die emotional nicht so beladen sind wie die aus der Kerntechnik, ist das Prinzip tiefe Endlager übrigens längst anerkannt. Mehr als zwei Millionen Tonnen hochgiftiger Chemieabfälle lagern bereits in deutschen Untertagedeponien.

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