Meinung : Entfesselt

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Schlechte Nachrichten für US-Präsident George W. Bush im Kongresswahlkampf: Juli und August waren die blutigsten Monate im Irak seit dem Sturz Saddam Husseins. Vor allem aber sind es bittere Nachrichten für die Menschen dort. Im Schnitt kommen jeden Tag mehr als hundert ums Leben. Das große Sicherheitsrisiko sind nicht mehr Al Qaida und „Aufständische“, die Iraks neue Führung oder die US-Armee bedrohen. Sondern Muslime, die Massenmord an anderen Muslimen verüben: Schiiten gegen Sunniten, Sunniten gegen Schiiten. Vor Wochen haben US-Armee und irakische Sicherheitskräfte eine Offensive gegen die Todesmilizen in Bagdad eingeleitet und kurzfristig sogar Erfolge vermeldet. Angeblich sanken die Opferzahlen. Dann kam heraus, die Statistiken waren getürkt, bestimmte Todesarten hatte man nicht mitgezählt. Mörderisch im heutigen Irak ist nicht der „Kampf der Kulturen“ zwischen dem Westen und dem Islam. Sondern der Kampf unter den Muslimen. In Jahrzehnten der Diktatur hat sich Hass aufgestaut, der nun ungehindert ausgelebt wird, weil der alte Repressionsapparat gestürzt wurde, aber keine neue Ordnung die Bürger schützt. cvm

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