Meinung : „Es gibt Grund zur Hoffnung“

Dagmar Dehmer

Seit rund vier Jahren ist Joseph Kabila in der Demokratischen Republik Kongo an der Macht. Doch was er dort will, weiß kaum jemand. Aber eines ist sicher: Er will bei der Wahl am 31. Juli zum Präsidenten gewählt werden, obwohl er zum Nominierungsparteitag gar nicht selbst erschien. Und er hat trotz seiner Jugend, er ist gerade mal 34 Jahre alt, ein bemerkenswertes diplomatisches Geschick auf internationalem Parkett bewiesen. Anders wäre es ihm nicht gelungen, 2003 einen Friedensvertrag zustande zu bringen, der den mörderischen Bürgerkrieg in Kongo, an dem zeitweise sieben weitere afrikanische Armeen beteiligt waren, beendete. Es gelang ihm zudem, die ruandischen und ugandischen Truppen mehr oder weniger aus dem Land zu werfen. Damit sind Kabilas politische Leistungen aber auch bereits aufgezählt.

Der Sender BBC zitiert einen der vier Vertrauten, die offenbar Kabilas Politik bestimmen, seinen Privatsekretär Kikaya Bin Karubi mit den Worten: „Kabila ist nicht schüchtern, er ist zurückhaltend. Das ist Teil seines kulturellen Hintergrunds.“ Damit meint Karubi, dass Kabila den größten Teil seines Lebens nicht im Kongo verbracht hat. Er ist wohl im Ostkongo geboren und dann von seinem Vater mit ins Exil nach Tansania genommen worden. Seine militärische Ausbildung machte der junge Kabila in Ruanda. Gemeinsam mit seinem Vater, Laurent-Désiré Kabila, kämpfte er gegen den langjährigen Diktator Mobutu – mit Ruandas tätiger Hilfe und letztlich mit Erfolg. Nachdem sein Vater von einem Leibwächter ermordet worden war, übernahm Joseph Kabila überraschend die Macht. Noch überraschender war, dass er sich dort halten konnte. Seit 2003 regiert er mit vier Vizepräsidenten, die alle gegen seinen Vater gekämpft hatten – und jetzt auch Präsident werden wollen. Dass er in dieser Schlangengrube überlebt hat, dürfte er seinen rund 200 halbprivaten Helfern, die von der Opposition als „Parallelregierung“ bezeichnet werden, und seiner Präsidentengarde mit mehr als 7000 Mann verdanken.

Kabila selbst ist bisher noch keine direkte Korruption nachgewiesen worden. Seinen engsten Beratern dagegen schon. Trotzdem ist er im Volk beliebt. Und wenn er am Samstag seine langjährige Lebensgefährtin Olive Lembe heiratet, mit der er eine sechsjährige Tochter hat, dann werden wohl auch die Bedenken gegen seine angeblich unklare Herkunft verstummen.

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