Meinung : „Es gibt kein Zurück“

Sandra Weiss

Der Oberstleutnant aus einfachen Verhältnissen ist ein Volkstribun wie er im Buche steht. Ein begnadeter Redner, der kein Skript braucht und dem die Menschen auch folgen, wenn er sich innerhalb von fünf Minuten zweimal widerspricht. Wieder einmal hat sich die bürgerliche Opposition an „Hurrikan Hugo“ die Zähne ausgebissen. 2002 versuchten die Oberschicht und oppositionelle Offiziere den „autoritären, linken Wirrkopf“ wegzuputschen, ein Jahr später wollten Unternehmer und Gewerkschaften seiner bolivarianischen Revolution mit einem Generalstreik buchstäblich den Erdölhahn abdrehen. Beides hat nur dazu geführt, dass Chavez die wichtigsten Eckpfeiler der Macht – die Militärs und das Erdöl – vollständig unter seine Kontrolle brachte und seine nationalistisch-populistische Revolution nur noch entschiedener vorantrieb. Und nun bestätigen die Wahlbeobachter um Ex-Präsident Jimmy Carter, dass auch das gescheiterte Referendum über Chavez’ Amtsenthebung korrekt abgelaufen ist.

Schon als 1992 der Putsch des damaligen Fallschirmjägers scheiterte und Chavez ins Gefängnis kam sagte er in seiner berühmten Fernsehansprache, sein Projekt sei „momentan“ gescheitert. Sechs Jahre später wurde er mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten gewählt.

Die Bibel und der Vaterlandsbefreier Simon Bolivar sind die wichtigsten Referenzen seiner Revolution, groß angelegte Alphabetisierungs- und Gesundheitsprogramme in den Armenvierteln sichern dem Sohn eines Landschullehrers die Gefolgschaft. Dass er dabei gleich seine halbe Familie mit hochdotierten Posten versorgt hat, an Schlüsselstellen überall Militärs sitzen und über die Milliarden, die er für seine Sozialprogramme beim staatlichen Erdölkonzern abzweigt, keiner ordentlich Buch führt – das tut er ab als Verleumdungen seiner Feinde. Die Armen sehen in ihm einen Heilsbringer, die internationale Linke feiert Venezuela als neues Modell eines demokratischen Sozialismus.

Chavez , der im Alter von 17 Jahren dem Militär beitrat, ist im Grunde seines Herzens ein Soldat geblieben, der militärisch denkt und nicht politisch. Er teilt die Welt in Freund und Feind und erteilt Befehle, die er ohne Diskussion umgesetzt sehen will. Ein „Caudillo, ein Diktator, ein zweiter Hitler“ sei er, ereifern sich seine Gegner, die aber offenbar nicht die Mehrheit davon überzeugen konnte, dass sie es besser könnten.

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