Facebook und Co : Der Schufa sei dank!

Völlig ungeniert präsentiert die Schufa ihre Gelüste, Daten so umfänglich wie möglich zu sammeln. Das ist vielleicht naiv, vielleicht auch nur aufreizend provokant. Aber vor allem ist es gut so!

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"Schufa - Wir schaffen Vertrauen" - so wirbt die Auskunftei für sich. Doch ihre Pläne, Daten von Facebook-Usern auszuwerten, stößt auf heftige Kritik. Foto: dpa
"Schufa - Wir schaffen Vertrauen" - so wirbt die Auskunftei für sich. Doch ihre Pläne, Daten von Facebook-Usern auszuwerten, stößt...Foto: dpa

Facebook ist verlockend. Milliarden Daten liegen mehr oder weniger offen da und schreien nach Auswertung. Eigentlich hätte man in Deutschland als Erstes die Gema erwartet, die große Persönlichkeitsprofile mittels Facebook aufstellen will, um dann ihre Gebührenbescheide und Mahnungen zu verschicken – dann auch direkt an den Facebook-User. Ist doch viel praktischer. Jetzt übt sich also die Schufa, Auskunftei über die Solvenz der Deutschen, als Vorreiter des offen zur Schau getragenen Datenhungers. Und es ist schon faszinierend, wie ungeniert sie ihre Gelüste präsentieren. Vielleicht ist es Naivität, vielleicht auch freche Provokation.

Unverfroren ist es, ja. Gefährlich ist es auch, richtig. Denn es ebnet den Weg zum gläsernen Bürger, zum zentralen Datenregister über jeden Deutschen. Und dass sich eine Universität dafür hergibt, auch noch mit Steuergeldern diesem Ansinnen über ein Forschungsprojekt Vorschub zu leisten, ist unglaublich. Alles korrekt, inakzeptabel und zu verurteilen. Und doch sollte man der Schufa dankbar sein. Denn sie führt auch dem Letzten vor Augen, was es heißt, sein Leben zu digitalisieren.

Das ist kein gefährliches Unterfangen, das ist auch kein Teufelszeug, man muss es eben nur richtig zu nutzen wissen. Je freizügiger man die Freiheit nutzt, umso angreifbarer wird man. Das ist an sich nicht schlimm, man muss es sich aber hin und wieder bewusst machen. Die Schufa wird nicht die letzte Organisation sein, die es auf die Daten in sozialen Netzwerken abgesehen hat. Ein Auge haben etliche Unternehmen darauf geworfen – und für Facebook sind die Daten nun mal die großen Goldreserven.

Die Verbraucher und auch die Politik tun deshalb gut daran, dass die Datenschutzrichtlinien für die sozialen Netzwerke klar sind, eindeutig erkennbar und nachvollziehbar. Jeder muss die Freiheit haben – auch die Freiheit zur Entscheidung, was in welchem Umfang wem gegeben wird.

So arbeitet Facebook - Eine Bildergalerie:

Wie bei Facebook gearbeitet wird
Der Mega-Börsengang von Facebook fachte den Internet-Goldrausch an. Der monumentale Börsenwert von mehr als 100 Milliarden Dollar, die atemberaubenden Gewinne für frühe Investoren - all das zeigte tausenden Jungunternehmern und Startup-Geldgebern, wie ihr Traum zur Wirklichkeit werden kann. Dann stürzte die Aktie ab. Doch wie wird der Wert hinter dem Papier erarbeitet? Foto: Matt Harnack / FacebookWeitere Bilder anzeigen
1 von 30Foto: Matt Harnack / Facebook
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Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert sorgt sich vor allem um die Systematisierung von Informationen, „die beiläufig ins Netz gestellt worden sind“. Das verrät ziemlich viel über einen weit verbreiteten Umgang mit Information – die Weitergabe erfolgt oft unüberlegt, nicht bewusst, eben beiläufig. Und das ist der eigentliche Fehler. Beiläufigkeit bestraft das Netz sofort, ganz ohne Schufa.

Zu viel Alarm sollte man jetzt allerdings nicht schlagen. Denn das Netz und gerade soziale Netzwerke haben selbstreinigende Kräfte. Vorschläge, wie die der Schufa, werden nicht nur mit lautem Geschrei aufgenommen, sondern auch mit viel Hohn und Spott. Das ist die beste Art, diese Idee wieder dort verschwinden zu lassen, wo sie hergekommen ist: in der Versenkung.

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