Finanzkrise : Spaßbremser gesucht

Josef Ackermann, hat kein Vertrauen mehr in die Selbstheilungskräfte des Marktes, und er hat recht: Die internationale Finanzwelt braucht Staaten, die eingreifen.

Alfons Frese

Bloß keine Panik, alles nicht so schlimm. Einen einstelligen Millionenbetrag kostet die Finanzkrise für die Mittelstandsbank IKB. Eine schöne Prognose. Leider stammt sie aus dem vergangenen Sommer. Seitdem sind unter den Sesseln vieler Banker in aller Welt viele Minen hochgegangen. Auch in Düsseldorf bei der IKB. Aktueller Stand: 8,5 Milliarden Euro. In diesem Volumen wurden Hilfspakete geschnürt, Risiken abgedeckt, Garantien gegeben.

Und wer zahlt am Ende für das Abenteuer der Banker auf dem US-Immobilienmarkt? Wir alle. Denn dem Bund gehört über die KfW der Großteil der IKB-Anteile. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat recht: Es kann nicht sein, dass die Banken Gewinne einstreichen und bei Missmanagement die Verluste sozialisiert werden. Wie bei der IKB, die nur durch das Engagement der KfW gerettet werden konnte. Der Verwaltungsratsvorsitzene der KfW ist übrigens – Michael Glos.

So kompliziert die Finanzkrise ist, die Begleittöne sind nicht weniger verwirrend. Der wichtigste Banker weit und breit, Josef Ackermann, hat kein Vertrauen mehr in die Selbstheilungskräfte des Marktes. Aus dem Mund des Chefs der Deutschen Bank klingt das unerhört. Und bringt doch nur staatliches Handeln der vergangenen Monate in einem Satz zusammen: In den USA, wo die Notenbank in rasantem Tempo das Geld billiger macht, damit es die Rolle des Schmiermittels der Wirtschaft nicht verliert, und wo gleichzeitig der Präsident mit Konjunkturprogrammen und Hilfen für die vor der Zwangsenteignung stehenden Immobilienbesitzer ziemlich atemlos das Schlimmste zu verhindern sucht: Das Abrutschen der USA in eine Rezession. Auch in Deutschland hat die Politik neben der IKB so manchen Landesbanken geholfen, an erster Stelle der Sachsen LB, für die der Freistaat bürgen muss. Das ist bitter für die Allgemeinheit, die Steuerzahler. Und doch vermutlich das kleinere Übel gegenüber der Pleite der Bank.

So argumentiert jetzt auch Ackermann, als Reaktion auf die Reaktion auf seine Äußerung. Keineswegs gewollt habe er eine Systemdiskussion über die Rolle des Staates. Doch so einfach kommt er nicht davon. Die Diskussion ist da und ihm gebührt Dank, sie bereichert zu haben. Und am Ende der Debatte steht dann die politische Entscheidung: Lässt man das Finanzkapital so agieren wie bislang – und die Hasardeure in der Sicherheit zocken, dass ja in der schlimmsten Not doch irgendeine staatliche Instanz hilft? Oder erweitert man die Spielregeln, indem härter reguliert wird?

Die Finanzinvestoren haben auf der Jagd nach Rendite nicht nur das Maß verloren, sondern auch mit immer verrückteren Finanzprodukten zu viel Einfluss bekommen auf die reale Wirtschaft. Es ist Aufgabe des Staates, der Politik, das wirkliche Leben vor den Spielern bei Banken und Fonds zu schützen. Vorschläge dafür sind willkommen. Auch von Josef Ackermann.

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