Föderalismus und Schule : Mobile Minderheit

Flickenteppich ist eine beliebte Metapher, um den Bildungsföderalismus herunterzureden. Aber die meisten Kinder erleben den Teppich gar nicht, weil sie in ihrem Flicken bleiben.

Albert Funk

Gegen null tendiere die Akzeptanz des Föderalismus, weil er keine Einheitlichkeit im Schulwesen zulasse. Weil man in Deutschland wegen unterschiedlicher Systeme, Bücher, Lehrpläne nicht umziehen könne. So klingen die Anhänger des Bildungszentralismus. Flickenteppich ist eine beliebte Metapher, um den Bildungsföderalismus herunterzureden. Aber die meisten Kinder erleben den Teppich gar nicht, weil sie in ihrem Flicken bleiben. Nur 0,8 Prozent der Sechs- bis Achtzehnjährigen mussten 2006 über Landesgrenzen ziehen. Mehr als 90 Prozent aller Schüler bleiben in einem Land von der ersten bis zur letzten Klasse. Das zeigt: Schule ist vor allem eine regionale und kommunale Sache. Was ist daran schlecht? Es braucht nicht ständig wachsender nationaler Vorgaben für möglichst viel Einheitlichkeit. Das darf nicht heißen, dass man über Probleme und Klagen der Minderheit hinweggeht, die umziehen muss. Aber man sollte sie nicht fürs Ganze nehmen. Die Integration der „Fernumzügler“, im Schnitt nur einige pro Schule und Jahr, ist eine pädagogische Herausforderung, die ja wohl zu meistern sein sollte.

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