Frank Stronach: : „Ich mache mir Sorgen um Österreich“

Er ist nach Kanada ausgewandert und ist dort reich geworden. Jetzt kehrt Frank Stronach in seine Heimat zurück. Mit großen Plänen. Ein Porträt.

Stefan Menzel
Foto: Reuters Foto: REUTERS
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Er war und bleibt ein Mann der Tat. Nach seinem Abschied bei dem von ihm gegründeten Autozuliefererkonzern Magna zieht es Frank Stronach jetzt in die Politik – und zwar nicht in seiner Wahlheimat Kanada, sondern in seinem Geburtsland Österreich. In Wien stellte er am Donnerstag das „Team Stronach“ vor, mit dem er im kommenden Jahr bei den österreichischen Parlamentswahlen antreten will. Seine Aussichten als politischer Newcomer gelten als gut.

Für die Präsentation seiner Partei hat Stronach eine geschichtsträchtige Lokalität ausgewählt: die Orangerie des altehrwürdigen Schlosses Schönbrunn – dort, wo auch schon Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Sissi agierten. „Dieser Donnerstag wird in die Geschichte Österreichs eingehen“, sagt er zum Start seiner Politikerkarriere mit viel Pathos in der Stimme.

Auf der Bühne der Orangerie steht ein agiler und drahtiger 80-Jähriger. Stronach ist voller Energie. Fast zwei Stunden redet er und präsentiert er seine Pläne. „Ich bin es gewohnt, nur als Erster ins Ziel zu kommen“, verkündet er. Sein Wahlziel ist klar: Er will sich mögliche Koalitionspartner aussuchen können, es soll nicht andersherum sein. Frank Stronach steht für die typisch nordamerikanische Geschichte eines armen Einwanderers, der es zum Milliardär schafft: Einst gründete er im kanadischen Bundesstaat Ontario eine Autoteilefirma, heute hat der Magna-Konzern mehr als 100 000 Beschäftigte und macht einen Jahresumsatz von knapp 30 Milliarden US-Dollar. 2009 stand Magna kurz davor, von General Motors den Autohersteller Opel zu übernehmen.

Was zieht Stronach nun wieder zurück in seine Heimat, noch dazu in die Politik? Es scheint so, als ob er zurück zu seinen Wurzeln wolle. Hinzu kommt: „Ich mache mir Sorgen um Österreich.“ Die Überschuldung des Landes, die ausufernde Bürokratie und die Ungerechtigkeiten im Steuersystem sollen deshalb auch seine Wahlkampfthemen sein.

Seine Chancen sehen nicht schlecht aus. Ersten Meinungsumfragen zufolge sagen zehn Prozent der Österreicher, dass sie für die Stronach-Partei stimmen wollen. „Stronach kann die Stimmen der Enttäuschten aufsammeln“, sagt der Parteienforscher Peter Filzmaier. Im europaskeptischen Österreich kommt vor allem gut an, dass Stronach den Euro ablehnt und mehr nationale Eigenverantwortung für die Euro-Mitgliedstaaten fordert. Stefan Menzel

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