Frauen im Kabinett : Kampf um die Mitte

Merkel hat - in der Not - eine weitere Frau ins Kabinett geholt. Daraus könnte ein gesellschaftspolitisches Programm erwachsen

Stephan-Andreas Casdorff

Nachher gerinnt zur Strategie, was vorher keine war. So kann es mit der Berufung der jungen Kristina Köhler zur Familienministerin und der Umsetzung von Ursula von der Leyen ins Arbeits- und Sozialministerium laufen. Denn diese beiden können gut gemeinsame Sache machen mit Annette Schavan (Bildung) und Angela Merkel (Kanzlerei). Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn da keine Gesellschaftspolitik herauskommt. Leyen hat Gestaltungsanspruch und -kraft (was sie sogar interessant macht als mögliche Merkel-Nachfolgerin), dazu kann sie Köhler jede Hilfestellung geben, Schavan ist eine einfallsreiche Bildungsministerin, wie sich an der Stipendienidee zeigt, und hat darüber hinaus nicht nur als CDU-Vizin Einfluss auf Merkel. Wer das alles zusammenliest, bekommt eine Ahnung davon, was möglich ist: eine Neuausrichtung der CDU und über die dann eine Verschiebung der Koordinaten der Regierung. Weil eine Regierung ja doch das eine oder andere dauerhaft verändern möchte – kann daraus Strategie werden. Die Opposition wird sich sputen müssen. Eine Manuela Schwesig auf SPD-Seite reicht nicht aus, und von Andrea Nahles bis hin zu Renate Künast (Grüne) ist ein tiefes Interesse an gesellschaftlicher Transformation nicht zu berichten. SPD-Chef Sigmar Gabriel will um die Mitte kämpfen, sagt er. Merkel hat den Kampf eröffnet.

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