Meinung : Gar nicht stimulierend

Warum die USA schon wieder einen Dopingskandal haben

Armin Lehmann

Amerika funktioniert in etwa so: Wenn du Schmerzen hast, gehst du in den nächsten Laden und kaufst dir was. In Deutschland muss man vorher zum Arzt, weil das Medikament meist verschreibungspflichtig ist. Amerika funktioniert aber auch so: Wenn du in ein neues College-Team kommst, gehst du in den Laden und wirfst dir eine Packung Ephedra rein. Die „Extreme Energizer“ lassen dein Herz schön schnell schlagen, und manchmal stirbst du daran. So ist das in den USA, und deshalb wird das sportlich erfolgreiche Land auch im Spitzensport immer wieder von Doping-Skandalen erschüttert. Wie jetzt.

Nur wenige Monate nach der Leichtathletik-WM in Paris mit den amerikanischen Doping-Fällen Kelli White und Jerome Young soll nun eine sehr große Anzahl von Spitzensportlern mit einem ganz neuen Anabolikum gedopt haben. Ein Kartell aus Sportlern, Trainern, Chemikern soll sich zusammengeschlossen haben, um endlich etwas zu kreieren, das nicht als Dopingmittel nachweisbar ist. Noch sind keine Namen bekannt, noch stehen die B-Proben aus, doch ein Blick in die Vergangenheit reicht, um zu glauben, was kaum zu glauben ist.

1999 wurden 33 US-Athleten positiv getestet. Strafen gibt es selten. Die Namen von 13 weiteren Leichtathleten, die von 1996 bis 2000 positiv getestet wurden, hat der Verband nie veröffentlicht. Über die seit Jahren international geforderten strengen Kontrollen lachen die US-Funktionäre nur. Vielleicht kommt diese Haltung daher, weil Amerikaner internationalen Gremien, die sie nicht beeinflussen können, skeptisch gegenüberstehen. Vielleicht finden Amerikaner aber einfach nichts Anstößiges daran, dass ihre Sportler gedopt sind. Finden es okay, wenn Stars wie Carl Lewis öffentlich zugeben, dass sie es taten, aber um Himmels willen keinen Anlass sehen, Medaillen zurückzugeben. Über Kelli White, die bei der Weltmeisterschaft über 100 Meter Gold gewann, freuten sich die US-Fernsehsender auch nachdem sie sich als Dopingsünderin entpuppt hatte. Fragen nach Dopingmitteln wurden kaum gestellt. Und 400-Meter-Mann Jerome Young gab sein Vergehen zwar zu, wollte aber partout nicht darüber reden. Warum nur ist Amerika so?

Baseballer Mark McGwire steigerte 1998 die Rekordmarke auf 70 Homeruns in einer Saison, dann gab er zu, Androstenedione zu schlucken. Prompt stieg der Absatz für das in den USA legal erhältliche Mittel, das aber auf der Dopingliste des IOC steht, enorm an. Amerikaner lieben es, erfolgreiche Sportler zu sein, viel mehr noch als die Europäer. Es bringt auch mehr. Wer erfolgreich Baseball, Basketball oder Football spielt, spart sich die 70 000 Dollar für ein College. Ein Sportstipendium ist der erste Schritt zu Geld und Ruhm. Den internationalen Anti-Doping-Code nehmen die meisten amerikanischen Einzelverbände nicht einmal zur Kenntnis. Die NHL, die amerikanische Eishockey-Liga, kennt so gut wie gar keine Kontrollen. Der jüngste Skandal wird daran nichts ändern.

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