Gauweiler kritisiert Abgeordnete : So schlecht wie andere auch

Es mag Peter Gauweiler so vorkommen, dass der Druck zugenommen hat, weil der CSU in der großen Koalition mehr zugemutet wird, als sie das bislang gewohnt war. Aber erwünscht waren Querköpfe von seinem Schlag noch nie.

Stephan Haselberger

Wer den Deutschen Bundestag schon immer für eine Ansammlung von Opportunisten gehalten hat, wird sich bei der Lektüre eines österlichen „Spiegel“-Interviews mit dem Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler in seinem Urteil bestätigt fühlen. Darin beklagt der CSU-Politiker Duckmäusertum und Stromlinienförmigkeit seiner Parlamentskollegen: Abgeordnete, welche eigenständig über das eigene Land reden wollten, seien nicht mehr erwünscht. Dass Parlamentarier von ihrer jeweiligen Fraktionsführung unter Druck gesetzt werden, ist nun aber kein neues Phänomen. Gerhard Schröder musste als Bundeskanzler mehrfach mit Rücktritt drohen, um die knappe rot-grüne Mehrheit hinter seine Reformpolitik zu zwingen. Es mag Gauweiler so vorkommen, dass der Druck zugenommen hat, weil der CSU in der großen Koalition mehr zugemutet wird, als sie das bislang gewohnt war. Aber erwünscht waren Querköpfe von seinem Schlag noch nie. Es ist auch keineswegs ausgemacht, dass die Abgeordneten eigenständiger würden, wenn sie nur noch direkt gewählt werden könnten, wie Gauweiler fordert. Oftmals besteht der Opportunismus der Volksvertreter auch darin, dem Volk nach dem Munde zu reden. Es mag in der Tat viele Duckmäuser geben in den Parlamenten. Aber es dürften nicht mehr sein als in anderen Professionen auch – zu viele. has

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