Gazakrieg : Ruhe, kein Frieden

Malte Lehming

In Duisburg geschah unlängst Folgendes: Die vom Landesverfassungsschutz beobachtete Islamische Gemeinschaft Milli Görüs demonstrierte gegen Israels Militäreinsatz im Gazastreifen. Der Protestzug kam an einem Haus vorbei, von dessen dritter Etage israelische Fahnen aus den Fenstern hingen. Die Demonstranten wurden so wütend, dass die Polizei eingriff, die Wohnung stürmte und die Fahnen entfernte. Ganz anders, aber tendenziell ähnlich, in Berlin. Hier sind Fahnen ausdrücklich erlaubt worden: die der Terrororganisation Hamas nämlich, für die gestern ausgiebig geworben werden durfte. Ginge es nach den Maßstäben deutscher Ordnungshüter und Gerichte, stünde also fest, welcher Partei im Nahostkonflikt unsere Sympathien gehören sollten.

Zum Glück ist es ziemlich egal, für wen die Menschen zwischen Sylt und Sonthofen auf die Straße gehen. Unabhängig von den Claqueuren nähert sich dieser Krieg seinem Ende. Dem Frieden hat er die Region freilich nicht nähergebracht. Einer Zwei-Staaten-Lösung auch nicht. Die Palästinenser sind untereinander zerstrittener denn je, ihre Führung – ob auf der Westbank oder im Gazastreifen – ist schwach, in Israel wird demnächst gewählt, wie kompromissbereit die neue Regierung in Jerusalem sein wird, ist offen. War der Krieg daher falsch?

Diese Frage lässt sich noch nicht abschließend beantworten, weil keiner weiß, wie geschwächt die Hamas ist. Der Libanonkrieg 2006 hat zwar die Wiederbewaffnung der Hisbollah nicht verhindert, die Miliz selbst aber eingeschüchtert. Der Norden Israels hat seitdem Ruhe. Es gibt guten Grund für die Annahme, dass sich auch die Hamas-Führung von der furchtbaren israelischen Militärmacht beeindruckt zeigt. Insbesondere muss ihr das Gewährenlassen Israels durch die internationale Staatengemeinschaft einschließlich der arabischen Länder vor Augen geführt haben, wie isoliert sie ist. Wenn der Hamas ein Quäntchen Rationalität geblieben ist, stellt sie ihre Angriffe ein.

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