Meinung : Gefahr im Beruf

Zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr

Verwundert nehme ich die recht ausschweifenden Diskussionen rund um die gefallenen deutschen Soldaten in Afghanistan zur Kenntnis. Nimmt Frau Merkel an den Feierlichkeiten teil? Sollte es im Berliner Abgeordnetenhaus eine Schweigeminute geben? Oder doch eher im Bundestag?

In der Stellenausschreibung eines Zeitsoldaten ist sicherlich nicht von Uniformen waschen und Stiefel polieren die Rede. Jeder Soldat weiß, was sein Beruf mit sich bringen kann und ultimativ mit sich bringen wird. Es ist ja nicht nur so, dass es möglicherweise gefährlich sein könnte diesen Beruf auszuüben – nein, das gilt für Bergarbeiter, Feuerwehrleute oder Gefahrguttransporteure. Als Soldat ist es gefährlich, seinen Job auszuüben.

Nichts anderes haben die gefallenen Soldaten getan. Mit gebührender Ehre kann und sollte man diese Soldaten verabschieden, aber in kollektiven Trauerwahn zu verfallen und die Präsenz höchster Stellen bei den Feierlichkeiten einzufordern, entspricht in keinem Maße der Realität. Das sind Soldaten. Der Job in Afghanistan ist ein Kriegseinsatz. Im Krieg sterben Soldaten. Das ist der normale Ablauf seit Tausenden von Jahren. Warum es jetzt bei fallenden deutschen Soldaten anders sein sollte, verstehe ich nicht. Die Männer tun ihren Job, so wie Millionen andere Menschen auch.

Wenn bei einem Großbrand Feuerwehrleute ums Leben kommen, gibt es eine kleine Randnotiz in der Zeitung, eine zehnsekündige Meldung in der Tagesschau und das wars. Keine Frau Merkel, kein Herr Guttenberg auf der Beerdigung und keine öffentliche Schweigeminute – obwohl die Arbeit der Feuerwehrleute mit einem weitaus geringeren Grundrisiko ausgestattet ist als die des Soldaten und somit eigentlich ein Todesfall weitaus betrauernswerter ist.

Soldaten sterben im Krieg, daran sollten sich alle gewöhnen. Wenn man Kriegseinsätze genehmigt und diese durchführt, sollte man sich darüber klar sein, dass es Verluste gibt. Dafür benötigt man nun wahrlich keine vollkommen übertriebenden Feierlichkeiten, Schweigeminuten und erst recht keine Diskussionen dieser Art.

Jürgen Beck, Berlin-Steglitz

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