Meinung : Gemeinsam sind wir schwach

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Es war ein Versuch. Die erste Regierungserklärung eines Kanzlers zur Bildungspolitik verband eine Selbstvergewisserung mit einem Herantasten. Die Selbstvergewisserung: Bildung als zentrales Instrument des Aufstiegs, damit als soziale Frage, damit als Kern eines SPD-Weltbildes. Das Herantasten: Ist es sinnvoll, im Bund zu debattieren, was in den Ländern entschieden wird? Taugt die Bildung für den Wahlkampf? Stoibers Bildungspolitikerin Schavan hatte etliche Statistiken parat, mit denen die Union auftrumpfte. Im Kern warf sie Rotgrün das Erbe von Leistungsfeindlichkeit und Theorieüberfrachtung vor. Und siehe da: Ein launischer Sigmar Gabriel hatte zwar Zahlen zum Kontern parat, doch so richtig widersprechen wollte er dann nicht. Fazit: Der Konsens ist übergroß, die Krise nicht bestreitbar, die Lösungsvorschläge liegen nicht allzu weit auseinander. Ganztagsschulen, lange von der Union bekämpft, und die Wertevermittlung, für die SPD über Jahrzehnte hinweg ein Rotes Tuch, sind heute fester Bestandteil im Vokabular jedes Bildungspolitikers. Doch so erfreulich die Annäherung in dieser post-ideologischen Debatte auch war – sie ist auch ein Reflex auf den unangenehmen Umstand, dass die Politik sich einigermaßen hilflos fühlt. Dass schnelle Lösungen unmöglich sind, ist klar. Doch auch bei den strukturellen zeigt sich: Zwar wächst der politische Wille zum Handeln, konkrete Vorstellungen lassen auf sich warten. Bei der Regierung – und der Opposition. rvr

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