Meinung : Gespaltenes Verhältnis

Die Energieversorger tricksen ihre Kunden aus, statt sie ernst zu nehmen

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Energie ist Leben. Moderne Gesellschaften sind abhängig von Energie. Vielleicht deshalb ist hier irgendetwas schiefgelaufen zwischen uns, den Kunden, und den „Versorgern“, wie man die Unternehmen der Energiewirtschaft nennt. Eigentlich beschreibt dieses Wort die Beziehung zwischen Kunden und Unternehmen nicht korrekt: Es suggeriert, hier bestünde eine einseitig Abhängigkeit der Kunden, die wie Kinder von ihren Eltern versorgt werden.

Doch spätestens seit der Privatisierungswelle, die in Deutschland vor gut 15 Jahren begann, ist die Abhängigkeit beidseitig. Kündigten rund 50 Prozent der Kunden ihren Vertrag bei, sagen wir Eon, so hätte auch dieser umsatzstärkste Energieversorger Europas ein massives Problem.

Aber was tun die Konzerne der Branche? Sie tricksen, täuschen, überziehen Kunden mit Klagen, die es wagen, ihre intransparenten Preise infrage zu stellen. Jeden Tag passiert das. Sie externalisieren ihre Kosten immer weiter, das heißt, sie wälzen Schäden, die sie etwa an der Landschaft, an Ökosystemen verursachen – zum Beispiel durch den Abbau von Braunkohle – auf die Gemeinschaft ab.

Und jetzt, vor dem Hintergrund des ganzheitlichen Energiekonzeptes bis zum Jahr 2050, das die Bundesregierung in Grundzügen vorgelegt hat, torpedieren sie den vor zehn Jahren ausgehandelten Atomausstieg. Nach langer Sitzung im Kanzleramt gegen halb sechs Uhr morgens, abgesegnet von den Chefs der großen Akw-Betreiber.

Niemand braucht die 17 Atomkraftwerke mehr – außer, die, die damit Geld verdienen, also Eon, RWE, Vattenfall, EnBW, oder Steuern einnehmen. Wohin aber mit dem Müll, der in vielen Jahrtausenden seine Gefährlichkeit noch nicht verloren haben wird? Das ist bis heute nicht geklärt. Und da tropft bereits Grundwasser in der Asse auf jene Atommüllfässer, die vor wenigen Jahrzehnten dort deponiert worden sind.

Dabei böte der Entwurf einer langfristigen Strategie die Chance zum Neuanfang. Energiekonzerne könnten sich mit den Kunden versöhnen, die Beziehung auf eine neue, faire Grundlage stellen. Das hieße konkret: Preise transparent machen. Was spricht dagegen, dass ein Gas- oder Wasserversorger seine Kalkulationen offenlegt? Das Argument, Konkurrenten wüssten dann Bescheid, ist von vorgestern und dient nur dazu, dem Kunden zu verschweigen, welche Margen in dem Geschäft stecken.

Und die Stromerzeuger sollen aufhören zu behaupten, es ginge nicht ohne Kohle oder Atomstrom. Alles geht. Weil Rohstoffe endlich sind, wissen Kunden, dass die Energiepreise langfristig steigen werden. Auch weil die Umstellung auf regenerative Energien Kosten verursacht. Höhere Preise sind in Ordnung – sofern sie fair, transparent und für Laien nachvollziehbar erhoben werden. Parallel werden sich Kunden zunehmend im Energiesparen üben. Wenn Energiekonzerne anfangen würden, die Kunden ernst zu nehmen, könnte man sich die Schimpfe auf die „Preisabzocker“ sparen. Ansonsten könnten die Kunden auf die Idee kommen, den Anbieter zu wechseln.

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