Gleichberechtigung : Österreich und die geschlechtsneutralisierte Nationalhymne

Österreich macht Ernst mit der Gleichberechtigung: In der Nationalhymne werden in der Zeile "Heimat bist du großer Söhne" ab sofort auch die Töchter erwähnt und aus "Bruderchören" werden "Jubelchöre". Ein Vorbild für Deutschland?

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Österreich macht's vor. Zieht Deutschland nach? Einige Liedzeilen in der Nationalhymne entsprechen nicht dem Ideal von einer Gesellschaft, in der es zwischen Männern und Frauen keine Unterschiede gibt.
Österreich macht's vor. Zieht Deutschland nach? Einige Liedzeilen in der Nationalhymne entsprechen nicht dem Ideal von einer...Foto: dpa

Unsere österreichischen Freunde und Nachbarn haben ja eher selten Gelegenheit, ihre Hymne anzustimmen. Bei den nun bald anstehenden Skirennen flitzen ihnen die Schweizer davon und im Fußball ..., aber lassen wir dieses traurige Kapitel des schönen Ballspiels. Dafür sind sie uns und anderen Nationen auf anderem Gebiet weit voraus: in dem der Gleichbehandlung der Geschlechter. Die Österreicher ändern zum Jahreswechsel zwei Textstellen ihrer Hymne. Das war längst überfällig, heißt es doch seit Jahr und Tag an einer Stelle „Heimat bist du großer Söhne“. Und was ist mit den Töchtern? Eben. Und deswegen singt man in Österreich (wenn man denn mal singt) ab dem 1. Jenner „Heimat großer Töchter und Söhne“.

An wen dabei gedacht wird, ist noch unklar, Lise Meitner wahrscheinlich, Elfriede Jelinek, Sissi natürlich und Sarah Wiener, wiewohl Letztere in Halle in Westfalen geboren wurde, aber allein schon durch den Nachnamen Größe erlangt hat. Konsequenterweise haben sie auch das Wort „Bruderchöre“ durch das geschlechtsneutrale „Jubelchöre“ ersetzt. Bravo! Man mag nun einwenden, dass auch der neue Text ein wenig rassistisch ist, weil er den kleinwüchsigen Österreicher und die kleinwüchsige Österreicherin ausklammert. Und auch, dass nun die Töchter den Söhnen vorgezogen werden, obwohl doch im wertneutralen Alphabet sogar in Österreich erst das S kommt und dann das T, es also heißen müsste „Heimat großer Söhne und Töchter“.

Stattdessen sollten wir uns lieber über die eigene Hymne beugen und uns fragen, ob es in Genderzeiten wirklich noch haltbar ist, dass wir ausschließlich brüderlich nach Einigkeit und Recht und Freiheit streben und mit keiner einzigen Silbe auch schwesterlich. Und schlimmer noch, für wen und was wir streben wollen und was dann blühen soll. Das Vaterland nämlich. Ans Mutterland hat wieder kein Mann gedacht. Dass nach den fälligen Änderungen „brüderlich und schwesterlich mit Herz und Hand“ und „blühe, deutsches Vaterland und Mutterland“ besser noch „blühe, deutsches Mutterland und Vaterland“ die Melodie möglicherweise vorauseilt, sollte uns nicht bekümmern, müssen wir eben schneller singen. Das sollte uns die Gleichheit wert sein.

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