Meinung : „Gottes Gedanken ...

Paul Janositz

… lesen, das ist mein Ziel.“

Das klingt unbescheiden – zumal für einen Atheisten. Doch diese Haltung passt zu Stephen Hawking. Denn bescheiden ist er wahrlich nicht, der 62-jährige Astrophysiker an der Universität im britischen Cambridge. Schließlich hat er den Lehrstuhl inne, auf dem seinerzeit der große Isaac Newton saß.

„Damals war der Lehrstuhl aber noch nicht elektrisch“, pflegt Hawking zu scherzen. Damit spielt er auf die schwere Muskel- und Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ASL) an, an der er seit 40 Jahren leidet. Die Krankheit gilt als unheilbar, sie lässt die Muskeln schwinden und führt meist innerhalb kurzer Zeit zum Tode.

Bei der Diagnose gaben die Ärzte dem in Oxford geborenen Sohn eines Tropenmediziners nur noch ein bis zwei Jahre. Doch der Zustand des Physikstudenten verschlechtert sich ungewöhnlich langsam. Er promoviert mit 24 Jahren und setzt die wissenschaftliche Karriere in Cambridge fort.

Heute kann Hawking nur noch zwei Finger bewegen. Schon lange ist er an den Rollstuhl gefesselt. Seit einer Luftröhrenoperation vor 18 Jahren kann er nicht mehr sprechen, Kommunikation ist also nur noch per Sprachcomputer möglich. Doch diese Behinderungen hielten ihn nicht von wissenschaftlichen Höchstleistungen ab: Als seine größte Leistung gilt das „Singularitätentheorem“. Damit legte Hawking das mathematische Fundament, um die Entstehung des Urknalls und der schwarzen Löcher erklären zu können.

Diese phantastischen Erscheinungen schlucken alle Materie, die ihnen zu nahe kommt. Hawkings Befund, dass schwarze Löcher nicht ewig existieren, sondern im Laufe der Zeit zerstrahlen, wurde von anderen Wissenschaftlern bestätigt.

Die Weltformel hat Hawking damit zwar noch nicht gefunden, aber ein Weltstar ist er allemal – als Wissenschaftler und als Schriftsteller, der es versteht, komplizierte Vorgänge verständlich darzustellen. Hawkings populär geschriebene Bücher über Entstehung und Zukunft des Weltalls wurden allesamt zu millionenfach verkauften Bestsellern.

Dass sich die Menschen so sehr für Hawking interessieren, liegt sicherlich auch an seinem körperlichen Zustand. Hawking selbst kommentiert sein Schicksal mit Humor. Wenigstens komme er nicht in Versuchung, seine Zeit mit Joggen und Golfspielen zu vertrödeln.

Ernster ist es ihm wohl, wenn er davon spricht, in seinem Leben „großes Glück“ gehabt zu haben, beruflich wie privat. Von seiner ersten Frau Jane wurde der dreifache Vater allerdings nach 26 Jahren Ehe geschieden. Gerüchte, seine jetzige Frau Elaine würde ihn misshandeln, werden von Hawking dementiert.

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