Griechenland-Krise : Ein System geht bankrott

Anders als ihre Politiker verstehen die meisten Griechen den Ernst der Lage. Sie sind zermürbt von der Krise. Aber Griechenland droht nicht nur der wirtschaftliche Zusammenbruch, sondern auch ein Kollaps des politischen Systems.

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Um die Mittagszeit versammelten sich in Athen nach Polizeiangaben etwa 10 000 Demonstranten. Die Gewerkschaften dagegen schätzten die Teilnehmerzahl auf mehr als 20 000. „Es reicht. Wir können nicht mehr“, hieß es auf Transparenten. Die Beteiligung an der Demonstration war nach Ansicht von Beobachtern aber geringer als von den Organisatoren erhofft.Alle Bilder anzeigen
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05.10.2011 16:07Um die Mittagszeit versammelten sich in Athen nach Polizeiangaben etwa 10 000 Demonstranten. Die Gewerkschaften dagegen schätzten...

Für Griechenlands Gewerkschaftsfunktionäre war der gestrige Tag eine herbe Enttäuschung. Hunderttausende Demonstranten wollten sie mobilisieren gegen den Sparkurs der Regierung. Aber es kamen nicht einmal 20 000. Noch im vergangenen Jahr war es den Arbeitnehmerorganisationen gelungen, mehr als zehn Mal so viele Menschen zu motivieren.

Die geringe Resonanz der Protestaufrufe zeigt nicht, dass die Griechen mit der Sparpolitik einverstanden sind. Vielmehr beginnen sie zu resignieren. Die Menschen merken: Die Demos bringen nichts. Denn die Sparpolitik wird ja im Grunde gar nicht von der Athener Regierung gemacht oder von den Abgeordneten des Parlaments, vor dessen Gebäude sich gestern die Demonstranten versammelten. Über Griechenlands Schicksal wird nicht an der Akropolis entschieden, sondern in Berlin, Paris und Brüssel.

Jenen, die dennoch glauben, Ministerpräsident Giorgos Papandreou mit Streiks zu einem Kurswechsel zwingen zu können, wie die Staatsbediensteten, die gestern Ämter und Behörden, Schulen und Krankenhäuser, Fährschiffe und Flughäfen lahmlegten, ernten damit in der Bevölkerung nicht viel Sympathie. Die Mehrheit der Griechen, so zeigen Umfragen, hält Beamtenprivilegien wie Unkündbarkeit und luxuriöse Pensionsregelungen bei Staatsdienern für ungerechtfertigt.

Erst wenige Tage vor dem Streik äußerten in einer Meinungsumfrage sechs von zehn Befragten die Ansicht, die Gewerkschaften sollten jetzt auf Ausstände verzichten und den sozialen Frieden wahren, um die Probleme des Landes zu lösen.

Lesen Sie auf Seite 2, warum zwei von drei Griechen eine Staatspleite erwarten.

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