Meinung : Gute Nachrichten aus „Level 4“

Die Terror-Angst in den USA beflügelt die Ebola-Forschung

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Alexander S. Kekulé Am Montag brachte die „New York Times“ eine seltene Erkrankung in die Schlagzeilen, die im fernen Afrika zu Hause ist und im letzten Jahr ganze sieben Todesopfer forderte: Gegen das EbolaVirus ist endlich ein Impfstoff in Sicht. Die von einem kanadisch-amerikanischen Team entwickelte Vakzine funktioniert in Langschwanz-Makaken zu 100 Prozent, eine Anwendung am Menschen wird voraussichtlich in wenigen Jahren möglich sein. Eine andere Ebola-Vakzine steht kurz vor der klinischen Prüfung. Auch gegen das Marburg-Virus, das dem Ebola-Erreger ähnelt, gibt es jetzt einen im Tierversuch erfolgreichen Impfstoff.

Seit dessen Entdeckung in den 70er Jahren sind am Ebola-Virus insgesamt rund 1850 Menschen erkrankt, 1200 davon gestorben. Noch seltener ist das Marburg-Virus, das bis 2003 nur in etwa 185 Fällen nachgewiesen wurde. Ein schwerer Marburg-Ausbruch wütet derzeit in Angola, dort hat die WHO seit vergangenem Oktober 423 Erkrankungen gezählt, 346 davon mit tödlichem Verlauf.

Von den äußerst seltenen Krankheiten betroffen sind fast ausschließlich Menschen in den Urwäldern Zentralafrikas. Das plötzliche Interesse an ihren viralen Peinigern verdanken sie der Angst westlicher Industriestaaten, Terroristen vom Schlage des Osama bin Laden könnten demnächst Ebola, Marburg und andere Schurkenviren als biologische Waffen einsetzen. In den USA trägt die Furcht vor Bioterror teilweise bereits hysterische Züge. Die Bio-Abwehr ist zum florierenden Wirtschaftszweig geworden. Astronomische 5,5 Milliarden Dollar gibt die US-Regierung jährlich für „Biodefense“ aus – das doppelte Budget der Mondlande-Mission Apollo. Geforscht wird an allem, was selten und gefährlich ist. Neben den üblichen Verdächtigen wie Milzbrand, Pocken und Pest sind das meist exotische Tropenkrankheiten, deren Namen an die Entdeckungsorte erinnern: Krim-Kongo-Fieber, Guanarito-Virus, Omsk-Fieber, Lassa, Ebola, Marburg.

So kam es, dass die besten Forschungslabore der USA die vorher wenig beachteten „Filoviren“ Ebola und Marburg ins Visier nahmen. Der jetzt entwickelte Impfstoff entstand durch Einbau eines Teils des Ebola-Virus in das „Vesikuläre Stomatitisvirus“ (VSV). Dazu haben die Forscher zunächst das VSV, das bei Tieren eine der Maul- und Klauenseuche ähnliche Erkrankung verursacht, durch Herausschneiden eines Gens unschädlich gemacht. Dann setzten sie ein kleines Stück Erbinformation des Ebola-Virus ein: Die entstandene Chimäre löst keine Krankheit mehr aus, sondern produziert lediglich Unmengen von leeren Hüllen des Ebola-Virus, die das Immunsystem stimulieren.

Mit dem künstlichen Virus impften die Forscher sechs Makaken. Vier Wochen später wurde es spannend: In einem Sicherheitslabor der höchsten Gefahrenstufe („Level 4“) spritzten sie den Affen das besonders tödliche Ebola-Virus vom Typ „Zaire“, das 1995 bei einem Ausbruch in Kikwit (Kongo) 250 Menschen getötet hatte. Unter normalen Umständen hätten die Affen keine sieben Tage mehr zu leben gehabt. Doch die Impfung war ein voller Erfolg: Keines der Tiere zeigte auch nur die geringsten Krankheitszeichen – sie waren gegen Ebola immun. Damit dürfte das Urwaldvirus, das für den Hollywood-Schocker „Outbreak“ Pate stand, die Menschen in Zentralafrika demnächst kaum noch behelligen. Auch Schimpansen und Gorillas, die durch Ebola in manchen Regionen bedroht sind, können sich freuen.

Die Chancen für Impfstoffe gegen globale Seuchen wie Aids oder Hepatitis-C sind mit der Erfolgsmeldung jedoch nicht gestiegen, weil deren Erreger sich durch ständige Mutationen den bekannten Impfverfahren entziehen. Für die Impfstoffentwickler waren Ebola und Marburg vergleichsweise einfache Gegner – sie haben mit ihren gegen bin Laden und Co. aufgestellten Forschungskanonen auf Spatzen geschossen.

Der Autor ist Institutsdirektor und Professor für Medizinische Mikrobiologie in Halle. Foto: J. Peyer

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