Guttenberg : Mein Titel, meine Rede

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Eigentlich ist es ja begrüßenswert, wie ökonomisch diese Regierung mit einem wichtigen, wenn nicht gar dem wertvollsten Gut dieser Zeit umgeht: ihrer Zeit. Die Kanzlerin vertrödelt diese ihre Zeit nicht damit, ein schlechtes Buch zu lesen (Sarrazins Deutschlandabschaffung), was sie nicht hindert, den Autor abzukanzeln. Der Verteidigungsminister vertrödelt diese seine Zeit nicht damit, ein schlechtes Buch zu schreiben (sein Dissertationssample), was ihn nicht hindert, mit dem zusammenkopierten Doktortitel herumzugockeln. Auch die Familienministerin hat Besseres zu tun, als sich mit Formatierungen herumzuplagen; dazu gibt’s schließlich wissenschaftliche Mitarbeiter.

Guttenberg nennt die Plagiatsvorwürfe „abstrus“. Ein Unrechtsbewusstsein hat der Doktor der Rechtswissenschaften offenbar nicht. Dabei hat doch bestimmt schon der kleine Karl-Theodor gelernt, dass man nicht klauen darf. Dass es auf Leistung ankommt, auf die eigene. Aber der große Baron pfeift auf die Urheberrechte der niederen Stände. Mögen sie sich plagen, er „pastet“ lieber, ganz der moderne, internetaffine Adel. Und wie bei der klassischen Geldwäsche verschiebt er die Texte so lange, bis sie sauber erscheinen. Eine eigene Rede habe er zitiert, verteidigt sich der Minister. Eigen? Sehr eigenartig. Die Rede hat ihm das Fußvolk aus dem Politapparat aus dunklen Archiven zusammengestellt. Fakten hemmen den Erzählfluss, Fußnoten auch, weg damit. Mein Schloss, mein Titel, meine Rede. Was ist da eigentlich echt, außer der Pomade? So wie Guttenberg Truppenbesuche inszeniert, so inszeniert er sein akademisches Leben. Das fällt ihm leicht, weil er sich mit seinen Titeln und Ämtern verwechselt. Was kann er dafür, wenn die Idioten, die ihm zu Diensten sind, nicht vernünftig zitieren? Was kann er dafür, wenn die Gutachter zu ergeben sind, das zu erkennen? Muss er denn hier alles selbst machen? Schreiben, kämpfen, kommandieren?

Als Vorbild ist so etwas eine Verheerung. Verantwortlich sind immer die anderen. Kinder werden wegen illegaler Downloads verfolgt, und die Exekutive klaut sich die Ehrentitel zusammen. Wie soll irgendwer noch ernst nehmen, was sich diese Regierung zu Fragen des Urheberrechts noch alles einfallen lässt?

Erst die „Gorch Fock“, jetzt das Plagiat – mit seinen seltsamen Einsätzen hat sich der Dr. horribilis causa klar qualifiziert: als Vorsitzender der Piratenpartei.

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