Guttenbergs Doktorvater : „Die Mängel sind nicht akzeptabel“

Zunächst schwärmte Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle noch von einem seiner „besten Doktoranden und Seminaristen“; ein Urteil, von dem er selbst bald wusste, dass es nicht zu halten war. Am Montag ließ er seinen einstigen Schützling fallen.

von
Foto: Universität Bayreuth
Peter Häberle, Guttenbergs Doktorvater.

Das Vorwort zu einer juristischen Doktorarbeit kann zuweilen gedrechselt klingen. Karl-Theodor zu Guttenberg ist es hier wiederum gelungen, neue Maßstäbe zu setzen. Mag es guter Brauch sein, den Doktorvater zu loben, hier stand der Verfasser im Banne eines „unerreichten (nicht lediglich) wissenschaftlichen Kraftfelds“, das sein akademischer Lehrer Peter Häberle in dessen „legendärem“ Seminar verströmte. Ihm danke er, Guttenberg, „für Unzähliges, das kein Vorwort angemessen abbilden könnte“, während ihn der Gedanke an die beglückende Teilnahme „nicht nur während intellektuell dürftigerer Alltagserlebnisse dauerhaft umweht“.

Während Guttenberg in nunmehr dürren Worten allen Stürmen trotzt, dürfte Häberle angesichts des Plagiatsfalls schier die Luft weggeblieben sein. Zunächst schwärmte der Gepriesene noch seinerseits von einem seiner „besten Doktoranden und Seminaristen“; ein Urteil, von dem er selbst bald wusste, dass es nicht zu halten war. Am Montag ließ er seinen einstigen Schützling fallen.

Wäre der emeritierte Professor eine typische bayerische Zimmerpflanze, die ihr Leben lang von der CSU gegossen worden wäre, so läge es nahe, provinzakademische Amigo-Gefälligkeiten zu vermuten. Doch so ist es wohl nicht, und Häberles neue Erklärung unterstreicht es. Der polyglotte Professor ist einer der wenigen Verfassungsjuristen, die auch international reüssierten, er ist ein liberaler, pluralistischer, nicht konservativer Denker mit kulturwissenschaftlichem Ansatz, dem man politische Klüngel nicht zutrauen möchte. Häberle, Jahrgang 1934, in Bayreuth bekannt für milde Benotungen, dürfte eher Opfer seiner Ideale geworden sein; einen Doktoranden zu betreuen gehöre „zum Schönsten, was einem Hochschullehrer vergönnt ist“, schrieb er mal. Es sei ihm zu selten gelungen, Aspiranten anzuwerben, die mit Beruf und Familie mitten im Leben standen. Möglich, dass jemandem mit dieser Sichtweise ein Guttenberg mit seinem imposanten Auftreten, dem politischen Drang und der gelungenen Familie als Prachtexemplar erscheint. Da googelt man nicht gleich, in der Häberle-Generation schon gar nicht. In einem jüngst veröffentlichten didaktischen Brevier schreibt er über Doktoranden, es gebe „schmerzliche Beispiele dafür, dass es zu offenkundigen Entfremdungen zwischen Schüler und Meister kam“. An einen wie Guttenberg wird er dabei nicht im Traum gedacht haben.

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben