Hamas und Israel : Der nächste Krieg ist abzusehen

Seit zwei Wochen wird in Gaza gekämpft. Mehr als 500 Palästinenser sind tot, mindestens 27 Israelis starben. Eine stabile Waffenruhe ist dennoch nicht in Sicht. Die USA und die EU haben als Vermittler keine Glaubwürdigkeit mehr.

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Auf der Flucht: Eine Mutter und ihr Kind suchen Schutz
Auf der Flucht: Eine Mutter und ihr Kind suchen SchutzFoto: AFP

Die Bilder sind kaum zu ertragen. Väter und Mütter, die um ihr Leben rennen. Auf dem Arm schreiende Kinder. Vor ihnen zig andere Menschen, denen ebenfalls Panik und Entsetzen ins Gesicht geschrieben ist. Und hinter ihnen eine Trümmerwüste, die sie noch vor wenigen Minuten ihr Zuhause nannten. Ein Albtraum.

Ja, in Gaza herrscht Krieg. Seit zwei Wochen versucht Israel mit aller Macht, die militärische Infrastruktur der Hamas, so weit es irgendwie geht, zu zerschlagen. Mit dem erklärten Ziel, die eigene Bevölkerung zu schützen. Anfangs setzten die Regierung in Jerusalem und die Militärs auf Luftangriffe, um den Raketen-Dauerbeschuss zu stoppen. Doch im Grunde war von Anfang an klar, dass eine Bodenoffensive unvermeidbar sein würde. Nun gibt es einen verlustreichen Häuserkampf. Und einen Tunnelkampf. Denn durch die unterirdischen Gänge versorgen sich die Islamisten nicht nur mit Waffen, sie nutzen die weit verzweigten Anlagen auch, um Anschläge auf israelischem Gebiet zu verüben.

Das eigene Volk opfern

Womöglich wird die Armee des jüdischen Staates die Hamas erheblich schwächen können – besiegen kann sie die Fanatiker nicht. Das hat einen einfachen Grund: Die Islamisten sind ohne mit der Wimper zu zucken bereit, ihr eigenes Volk zu opfern. Das macht sie stark. In einem solchen Kampf vermag sogar Israels überlegene Militärmaschinerie wenig auszurichten. Insofern ist die perfide, menschenverachtende Hamas-Strategie aufgegangen: Der jüdische Staat, durch anhaltenden Geschosshagel provoziert, verteidigt sich zwar, steht aber dennoch als Aggressor da. Einer, der es angeblich sträflich versäumt, auf die „Verhältnismäßigkeit“ seiner Mittel zu achten.

Das ist zumindest die recht simple Lesart einer lauten Mehrheit, die Israel als Kriegstreiber sieht. Und dabei außer Acht lässt, dass der islamistische Gegner keinerlei Skrupel kennt, die Menschen in Gaza als Schutzschilde und damit als „Märtyrer“ zu missbrauchen. Hauptsache, das Leid kann für die eigenen Zwecke, sprich: das eigene Überleben, propagandistisch instrumentalisiert werden.

Ja, die Lage im Nahen Osten ist wieder einmal bedrückend. Die Frage lautet nur: Wie kann man, jenseits der allfälligen Schuldfrage, den aktuellen Konflikt, dieses Blutvergießen möglichst rasch durch einen Waffenstillstand beenden? Die ernüchternde Antwort lautet: von außen wohl gar nicht. Weder die Supermacht USA noch Europa besitzen derzeit genügend Einfluss, um auf die Kontrahenten mäßigend einzuwirken. Präsident Barack Obama schickt zwar nun seinen Außenminister als Vermittler in die Region.

Doch John Kerry ist erst vor kurzem mit seiner Friedensmission gescheitert. In Jerusalem halten ihn die Regierenden für einen Wichtigtuer, der keine Ahnung von den komplizierten Gegebenheiten in Nahost hat. Viele Israelis fühlen sich ohnehin von Amerika unter Obama im Stich gelassen. Und die Hamas lässt sich von Washington sowieso nichts vorschreiben. Ebenso wenig wie von der EU oder den Vereinten Nationen. Beide Organisationen sind in der Region zwar als Geldgeber willkommen, als Ratgeber werden sie aber bestenfalls mitleidig belächelt.

Alles beim Alten

Vielleicht schafft es Kairo, eine echte Feuerpause zu vermitteln. Doch auch das ist im Moment zumindest sehr fraglich. Anders als vor zwei Jahren haben in Ägypten nicht mehr die Muslimbrüder das Sagen, sondern die Militärs. Und die sehen in den palästinensischen Islamisten auch eine Bedrohung für den Staat. Die Hamas weiß das. Und wird deshalb jede Vereinbarung, die nur den Anschein erweckt, zu ihren Lasten zu gehen, ablehnen.

Letztendlich wird es so kommen: In einigen Tagen, vielleicht auch erst in einigen Wochen haben beide Seiten genug vom Krieg. Jeder wird sich damit brüsten, Notwendiges erreicht zu haben. Dann gibt es eine Waffenruhe, ohne dass der Westen dabei einbezogen wurde. Weil jedoch im Grunde alles beim Alten bleibt – Hass und Missgunst eingeschlossen – wird es in absehbarer Zeit die nächste Runde im militärischen Schlagabtausch geben. Mit Bildern des Leids. Wie gehabt.

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