Meinung : Horchen ist Macht

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Dass der Skandal gewaltig ist, dass er ein Attentat auf die Demokratie darstellt, das steht fest. Nur: Worauf lief das Ganze hinaus? Zusammen mit dem Militärgeheimdienst und einer privaten Detektei hat Italiens Telecom über Jahre hinweg Tausende von Bürgern belauscht, linke wie rechte, Sportler wie Politiker, Unternehmer wie Schlagerstars. Ein illegales Spionagenetz überzog das Land – und womöglich existiert dieses Geflecht noch heute. Früher gab es die Loge „P2“, die im Wesentlichen aus Seilschaften zur Machterhaltung christdemokratisch-konservativer Kreise bestand; davor gab es die paramilitärische Formation „Gladio“, die einen angeblich drohenden kommunistischen Staatsstreich abwehren sollte. Aber was die Telecom im Sinn hatte, entzieht sich vorerst jedem Begreifen. Dass die Telecom den Fußball-Erstligisten Inter Mailand sponsort, dass Inter unbeschadet aus dem Fußballskandal hervorging – dass dafür aber zum Schaden der Rivalen bücherweise geheime Abhörprotokolle an die Öffentlichkeit gelangten, das ist eine mögliche Erklärung. Aber sie deckt nur einen winzigen Teil der Affäre ab. Man darf gespannt sein, was da noch alles herauskommt aus diesem landestypischen, gigantischen Sumpf. pak

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