Meinung : „Ich bin zutiefst …

Moritz Schuller

… dankbar für diesen außerordentlichen Vertrauensbeweis.“

Nicht jeder hätte dieses Kompliment politisch überlebt: George W. Bush nannte den australischen Premierminister einen „Mann aus Stahl“ und als Bush ihm kurz vor der Wahl noch Glück wünschte, schien sein Schicksal besiegelt. Doch Michael Howard überstand – anders als der spanische Irakkriegsteilnehmer Aznar – die Wahlen erstaunlich leicht. Die Liberalen konnten ihre Mehrheit im Parlament von Canberra laut Hochrechnungen sogar ausbauen.

John Winston Howard, seinen Mittelnamen trägt der Sohn eines Tankstellenbesitzers zu Ehren Churchills, gewann, weil die Australier auf politische Erfahrung setzten und nicht auf den Charme und die Unerfahrenheit des jungen Herausforderers von der Laborpartei. Howard, das Stehaufmännchen der australischen Politik – schon 1987 kandidierte er erfolglos für das Regierungsamt – ist nun seit 1996 im Amt.

Der 64-Jährige gilt als blass, aber zuverlässig, obwohl er immer wieder riskante politische Entscheidungen fällte, wie etwa die Einführung einer zehnprozentigen Mehrwertsteuer oder eben den Einsatz im Irak. Doch der ist längst zu einer symbolischen Größe zusammengeschrumpft: Die mehreren Hundert australischen Soldaten im Irak – der Rest ist inzwischen lebend zurückgekehrt – taugten als Wahlkampfthema, entschieden wurden die Wahlen aber von der Wirtschaftspolitik. Das Land ist zu reich, um für Labor zu stimmen, lautet die innenpolitische Schlussfolgerung. Der konservative Howard, der aus seiner Bewunderung für Margaret Thatcher keinen Hehl macht, hatte die Deregulierung des Landes vorangetrieben und vieles der Eigenverantwortung der Bürger überantwortet. Mit Erfolg: die Wirtschaft des Landes befindet sich im Daueraufschwung.

So uncharismatisch Howard ist, so populär gibt er in entscheidenden Fragen den starken Mann: Sein harter Kurs gegen illegale Einwanderer und, nach dem Anschlag von Bali, gegen den Terror, aber auch die Entscheidung, die Abholzung des Regenwaldes auf Tasmanien fortzuführen, brachte ihm Zustimmung: „Howard nimmt Jobs wichtiger als Bäume“, titelte eine Zeitung.

Howard hat Australien strategisch von Asien wegbewegt: Zusammen mit Bush weigert er sich, das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen, und auch die Teilnahme am Irakkrieg war Ausdruck dieser Neuausrichtung. Und so gehörten zu den ersten Gratulanten Bush und Blair.

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