Meinung : „Ich hätte sterben können“

Christoph von Marschall

Sie ist das perfekte Symbol für einen falschen Krieg, Heldin und Opfer zugleich: eine 38- jährige Hubschrauberpilotin im Range eines Majors der Nationalgarde, am 12. November 2004 abgeschossen im Irak, nach der Amputation beider Beine Invalidin. Damit ist Tammy Duckworth auch ideale Kandidatin für eine Wahlkampfstrategie, die auf die wachsende Skepsis der Amerikaner über den Irakkrieg baut. Die Mehrheit hält ihn heute für falsch, Saddams Sturz sei die Opfer nicht wert gewesen.

Nimmt man die allgemeine Unzufriedenheit mit Präsident Bushs Amtsführung hinzu – 61 Prozent sehen ihn kritisch –, steht das Tor für einen demokratischen Sieg bei der Kongresswahl im November sperrangelweit offen. Das sollte man zumindest meinen. Doch Tammy Duckworth ist auch ein gutes Beispiel, warum die Dinge komplizierter liegen. Zwölf Kriegsveteranen wollten ursprünglich für die Demokraten in den Wahlkampf ziehen. Zwei scheiterten bereits an der Nominierung durch ihre Partei. Da gibt es altgediente Gegenkandidaten – und die Basis schaut, wer die besten Chancen hat, gegen die Republikaner zu bestehen. Tammy Duckworth hatte die Unterstützung von ganz oben: Hillary Clinton warb für sie, John F. Kerry, der 2004 gegen Bush angetreten war, und Barack Obama, jüngster Parteiliebling der Demokraten. Dank ihrer Hilfe kamen in drei Monaten 500 000 Dollar in die Wahlkampfkasse. Dennoch setzte sich Duckworth in Illinois erst im zweiten Anlauf gegen die etablierte Christine Cegelis durch.

Die Veteranen stoßen bei ihrer Karriere als Politiker auf zwei Probleme. Sie müssen nachweisen, dass sie mehr als nur das Thema Krieg können. Gesundheitsreform, Pensionsdebatte, Abtreibung, Schulen, Überschuldung des Staates: Die Konkurrenz ist da meist erfahrener. In den USA bemisst sich der Wert eines Abgeordneten daran, was er an praktischen Vorteilen für seinen Wahlkreis herausholt. Zweitens müssen sie auch bei Irak die Worte sorgfältig wählen. Eine „Alles-läuft-falsch“- Rhetorik wäre die sichere Niederlage. Duckworths Botschaft: Ich bin stolz auf die Armee und darauf, was die Soldaten Gutes tun für Iraks Bevölkerung. Aber die Invasion war falsch. „Ich könnte heute tot sein, das hat mir die Augen geöffnet. Ich will mehr für ein besseres Leben tun.“ In der National Guard ist sie geblieben. „Wird meine Einheit in den Einsatz geschickt, gehe ich wieder mit.“

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