Meinung : „Ich hoffe, Sie glauben an Reue und Wandlung“

Matthias B. Krause

Nachsicht findet man heute nicht mehr allzu oft, und es ist zweifellos nicht üblich, sie für jemanden zu haben, dessen Verbrechen so schwerwiegend sind wie meine“, schrieb Michael A. Morales an Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger, „aber ich hoffe, Ihre Regierung glaubt an Reue und Wandlung.“ Wenn nicht, dann wird Morales, 46, am 21. Februar im Hochsicherheitsgefängnis San Quentin hingerichtet. Es wäre die dritte Exekution im größten amerikanischen Bundesstaat in drei Monaten.

Morales fand für sein Gnadengesuch prominente Unterstützer. Der wahrlich nicht als Westküsten-Liberaler bekannte Kenneth Starr, der einst Bill Clinton wegen der Lewinsky-Affäre das Leben zur Hölle machte, nahm sich des Falles an und plädiert für lebenslange Haft. Selbst der Richter, der Morales einst wegen Mordes an einer jungen Frau verurteilte, setzt sich nun für dessen Begnadigung ein.

Dass der Häftling 1981 die Schülerin Terri Winchell unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol brutal vergewaltigte und mit Hammerschlägen und Messerstichen tötete, daran zweifelt niemand. Doch mittlerweile hat sich herausgestellt, dass ein wichtiger Belastungszeuge log. Bruce Samuelson, der damals gemeinsam mit Morales in Untersuchungshaft saß, behauptete im Prozess, der Angeklagte habe sich mit seiner Tat gebrüstet, was Jury und Richter dazu bewog, statt lebenslänglich die Todesstrafe zu verhängen.

Samuelson bekam für seine Aussage Straferleichterung. In einem anderen Zusammenhang behauptete er dann, die Unterhaltung mit Morales auf Spanisch geführt habe. Der jedoch beherrsche nur Englisch, beteuert Starr. Außerdem habe Morales sich nach der Verurteilung „nicht vor seiner Verantwortung gedrückt für das Verbrechen, begangen in seiner rauen und drogenverseuchten Jugend“. Richter Charles McGrath wiederum schrieb an den Gouverneur, dass er ohne Samuelsons Aussage gegen Morales nie die Todesstrafe verhängt hätte. Diesen jetzt hinzurichten, sei eine „groteske Verdrehung des Rechts“.

Schwarzenegger ließ bislang nur ausrichten, dass er sich den Fall sorgfältig ansehe. Fehlende Reue war es, die er in einem schlagzeilenträchtigen Fall im Dezember geltend machte, um die Begnadigung von Stanley „Tookie“ Williams abzulehnen. In seiner Amtszeit beschäftigte sich der Gouverneur bislang viermal mit Gnadengesuchen, stets blieb er hart.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben