Meinung : „Ich liege gerade …

Andrea Dernbach

… mit einer schweren Mandelentzündung im Bett.“

Diese Reaktion auf einen der üblichen SMS-Glückwünsche ist für Merkels neuen ersten Mann in der Bundestagsfraktion ziemlich typisch. Nicht, dass Peter Hintze uneitel wäre. Er ist es vielmehr so sehr, dass er eine Extraportion Selbstironie als Versteck für seine Eitelkeit braucht. Da er einer der klügeren deutschen Politiker ist, weiß er, dass der Satz „Ich bin die Idealbesetzung“ nur dann erträglich ist, wenn man ihn mit einem Augenzwinkern sagt. Oder gar nicht.

Dummerweise ist der gute Eindruck trotzdem das Problem des 54-jährigen Rheinländers. Den nachhaltig schlechtesten machte Hintze als Kohls Generalsekretär. Vielleicht lag es daran, dass der Gefühlsmachtmensch Kohl und der rationale Teamworker und Geißler-Zögling so gar nicht zueinander passten. Vielleicht lag es am Dienstanzug, der zwickte, an der Rolle als Haudrauf. Jedenfalls wurde „Pfarrer Hintze“ – ein Etikett, das unablösbar an ihm klebt, obwohl er nur zwischen 1980 und 1983 Pfarrer war – in den sechs letzten Jahren der Ära Kohl zum Lieblingsfeind von Ossis und Wessis. Er war der Vater der „Rote-Socken“-Kampagne gegen die Zusammenarbeit von SPD und PDS, die für seine Partei ebenso erfolgreich wie rufschädigend für ihn wurde.

Davor lagen Jahre in der zweiten Reihe: Vize-Parteichef in Nordrhein-Westfalen, seit 1983 Zivildienstbeauftragter (berufen von Familienminister Geißler), 1991 Staatssekretär im neuen Ministerium für Frauen und Jugend und eine Art Coach für die noch unerfahrene Hausherrin Merkel. Von einem Amt weiß selbst Munzingers sonst gut informiertes Personenarchiv nichts: Hintze war auch Frauenbeauftragter der NRW-CDU.

Das wird ihm jetzt nützen. Wie schwer es für viele Männer ist, einer mächtigen Frau von gleich zu gleich zu begegnen, weiß er längst und konnte es bestätigt finden, als er, europapolitischer Sprecher der Fraktion seit 1998, Merkel nach Paris, zu Schröders Männerfreund Chirac, oder in die Türkei begleitete. Merkel wollte ihn schon einmal befördern: Hätte Wolfgang Schäuble die Nachfolge von Friedrich Merz angetreten, wäre Hintze neuer Chefaußenpolitiker geworden. Nun wird er Merkels General in der Fraktion und ihr loyaler Berater, einer, der die Weltlage fehlerfrei in drei druckreifen Sätzen zusammenfassen kann. Ob er dabei auch in den Medien einen guten Eindruck macht, wird davon abhängen, ob Intelligenz, auch soziale übrigens, telegen ist.

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