Meinung : „Ich wähle meine Worte mit Bedacht“

Matthias Thibaut

Zwei Tage nach ihrer überraschenden Ernennung zur ersten britischen Außenministerin saß sie im Flugzeug und ließ sich in die Geheimnisse der britischen Außenpolitik einführen. Sie flog zu den Iranverhandlungen nach New York, „auf dem Hosenboden“, wie die Engländer mit dem Vokabular der Bruchpiloten sagen, wenn wegen ungenügender Vorbereitung über den Daumen gepeilt werden muss. Dann folgten 36 Stunden heikler Diplomatie.

Kein schlechter Einstand für die 63-Jährige, von der man geglaubt hatte, dass Blair sie bei seiner Kabinettsumbildung in den Ruhestand schicken würde. Aber der Premier braucht nun jeden Mann an Bord. Vor allem so verlässliche Handwerkerinnen wie die Zimmermannstochter Margaret Beckett. Eine Nacht durchzuverhandeln, das sei doch nichts, erklärte sie müden Journalisten. Als Landwirtschaftsministerin in Brüssel habe sie da ganz andere Sachen erlebt.

Um 5 Uhr morgens Londoner Zeit wurde ihr endlich die entscheidende Frage gestellt. Ob sie ihrem Vorgänger Jack Straw zustimme, dass ein Militärschlag gegen Iran „undenkbar und irrwitzig“ wäre. Auch wenn sie nun schon ziemlich müde und ihre Dauerwelle etwas platt gedrückt aussah, Attacken von Interviewern abzuwehren, ist ihre Spezialität: „Es gibt keine Absicht, militärische Gewalt anzuwenden“, sagte sie und fügte stolz hinzu: „Ich wähle diese Worte mit Bedacht.“ Es war eine Spitze gegen den Amtsvorgänger.

Beckett verdiente sich diplomatische Lorbeeren bei den Klimaverhandlungen in Montreal, und Blair will, dass sie das Thema Klima intensiviert. In ihrer Zeit als Umweltministerin hat sie laut Umweltgruppen durch 134 Flüge einen CO2- Ausstoß von 190 Tonnen verursacht. Das hat die Briten überrascht, denn am bekanntesten ist Beckett eigentlich wegen ihrer Leidenschaft für Wohnwagenurlaube mit Ehemann Leo in South Derbyshire. Die Becketts sind unzertrennlich. Leo leitet mit 79 immer noch das Parlamentsbüro seiner Frau.

Margaret Beckett fing als Anhängerin des Labourlinken Tony Benn an und arbeitete sich dann nach rechts vor. Ob aus Überzeugung oder Opportunismus, spielt keine Rolle. Ihr Markenzeichen ist die Zuverlässigkeit. Sie tut, was verlangt wird, ohne sich in die üblichen Flügelkämpfe der Labourpartei zu verstricken und fast immer mit Erfolg. Zwei Monate lang war sie sogar Parteichefin – 1994 nach dem Tod von John Smith. Aber das wird sie selbst schon fast vergessen haben.

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