Meinung : „Ich will junge Amerikaner begeistern“

Sven Goldmann

Ist David Beckham ein Fußballspieler? Viele werden diese Frage mit Nein beantworten. Spätestens seit der Engländer am Donnerstag bekannt gegeben hat, dass er künftig in Kalifornien kicken will, für Los Angeles Galaxy. Fußball ist dabei nicht so bedeutend wie die Nähe zu Hollywood. Dort besitzt er eine Fußballschule und will künftig „junge Amerikaner für das Spiel begeistern“.

Mit 31 Jahren wird David Beckham als Metrosexueller wahrgenommen, als Marketingfigur oder Spice Boy. Zwei Faktoren haben diesen Wandel vom Fußballspieler zur Kunstfigur forciert: seine Frau Victoria und der Wechsel von Manchester United zu Real Madrid. Ohne Victoria, vormals eines von fünf singenden Spice Girls, wäre Beckham vielleicht immer noch in Manchester, einer Stadt mit überragender Fußballmannschaft, aber überschaubarem Glamourfaktor.

Victoria hat auf den Wechsel gedrungen, ihr Mann hat ihn im Sommer 2003 akzeptiert. Da wähnte er sich noch als Teil eines Projekts, das unter der Bezeichnung „Galacticos“ mit den besten Fußballspielern der Welt die beste Show der Welt bieten wollte. Doch die Galacticos waren nie Mannschaft, nur eine Ansammlung von Einzelkönnern. Ohne funktionierendes Kollektiv aber war Beckham wertlos. Er ist kein Spielmacher oder Torjäger, sondern ein brillanter Rechtsaußen, gesegnet mit einem rechten Fuß von unerreichter Qualität.

Das hat er besonders die Deutschen spüren lassen. In der Nachspielzeit des Champions-League-Finals 1999 trat er die beiden Eckbälle, die zu Manchesters legendären 2:1-Sieg über Bayern München führten. Bei der Europameisterschaft 2000 bereitete seine Flanke das 1:0-Siegtor gegen Deutschland vor. Ein Jahr später schoss er England mit einem Freistoß zum Sieg über Griechenland und damit zur Weltmeisterschaft in Japan und Korea – Rudi Völlers deutsche Elf musste in die Qualifikationsrunde.

Für diesen David Beckham aber hat Real Madrid sich nie interessiert. Die Spanier wollten das Marketingobjekt, dessen Ablösesumme sich allein durch den Verkauf von Fantrikots finanzieren ließ. Den Fußballspieler brauchte Real gar nicht, seine Position auf dem rechten Flügel war durch den Portugiesen Luis Figo überragend besetzt. Drei Jahre lang wurde Beckham vor einer Position zur nächsten geschoben, bis ihn kaum jemand mehr als Fußballspieler wahrnahm. Der Wechsel nach Los Angeles kommt folgerichtig. David goes to Hollywood, von den Galacticos zur Galaxy.

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