Meinung : Im Team denken

Der Elitewettbewerb könnte ein Segen für die Hochschulen sein

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Alexander S. Kekulé Jetzt geht das Schaulaufen um den Titel „Elite-Universität“ in die zweite Runde. Zehn Kandidatinnen haben sich qualifiziert. Bei der Endausscheidung im Herbst wird eine strenge Jury entscheiden, wer die fünf Schönsten im Land sind. Bis dahin stehen für die Finalistinnen weitere Schlankheitskuren und Fitnessprogramme auf dem Plan. Schließlich wollen sie auch noch gut aussehen, wenn sie vor der Jury alle Hüllen fallen lassen müssen. Auch das eine oder andere private Rendezvous könnte von Vorteil sein – in der Endrunde werden knapp die Hälfte der Juroren Politiker sein.

Wie bei jeder echten Misswahl gibt es bereits nach der Vorrunde Tränen und Gezeter. Ein pauschales Urteil sei unfair, weil jede Kandidatin ihre besonderen Qualitäten habe. Bei den aufgebauschten Präsentationen sei vieles künstlich verschönert und vergrößert gewesen. Außerdem ist wohl offensichtlich, dass die Gutachter auf den südlichen Typ der großen und gut genährten Alma Mater standen, die kleinen Hungerhaken aus dem Osten hatten keine Chance.

Die Kritiker haben sogar Recht. Universitäten sind keine homogenen Gebilde, sondern bestehen aus Fakultäten und Instituten von unterschiedlicher Qualität. Daher konnten große Universitäten einfach mehr Juwelen aus ihren Beständen zusammenklauben als kleinere, um sich für die Brautschau zu schmücken. Auch wurde wohl so manches Luftschloss präsentiert, zumal die künftigen Pläne bei der Bewertung eine große Rolle spielten. Dabei geizten die Kandidatinnen nicht mit modischen Accessoires, die in der akademischen Welt heute nach Sexappeal klingen: Fast alle Projekte sind „transdisziplinär“, „vernetzt“, „flexibel“, „leistungsgesteuert“, „evaluiert“ – und natürlich auf Englisch.

Trotzdem ist der Elitewettbewerb richtig, weil er eine neue Dimension eröffnet: den Wettbewerb der Universitäten, die nun erstmalig als Ganzes – und nicht auf Ebene der Fakultäten und Institute – um Fördermittel, Studenten und Prestige konkurrieren müssen. Bereits in der Bewerbungsphase hat das vielerorts dazu geführt, dass die Kleinstaaterei unter den Lehrstuhlinhabern einem konstruktiven Teamgeist gewichen ist, wie man ihn bislang nur aus den USA kannte.

Die Kritik gegen einige Kriterien der Beurteilung ist wohl berechtigt. Die Bevorteilung großer Hochschulen mit mehr finanzieller und personeller Schlagkraft stellt hochwertige Einzelprojekte an kleineren Unis in den Schatten. Auch wäre es schön gewesen, wenn nicht nur die Forschungsleistung, sondern auch die Qualität der Lehre stärker in die Beurteilung eingeflossen wäre.

Letztlich kommt es jedoch nicht auf eine Perfektion der Bewertungskriterien an, so unfair das auch erscheinen mag. Sinn der Exzellenzinitiative muss es sein, einer Hand voll Universitäten langfristig hervorragende Arbeitsbedingungen zu verschaffen, damit sie im internationalen Spitzenfeld mithalten können. Das ist durchaus tragisch für manche Verlierer des Wettbewerbs, die sich dem gesamtdeutschen Teamerfolg unterordnen müssen. Sind die Elite- Unis erst einmal definiert, werden sie die besten Studenten und Professoren sowie weitere Fördermittel anziehen. So gesehen ist das Urteil der Jury eine selbst erfüllende Prophezeiung: „Nothing succeeds but success“ – auch das ist genauso wie bei einer Misswahl.

Der Autor ist Institutsdirektor und Professor für Medizinische Mikrobiologie in Halle. Foto: J. Peyer

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