Im WORT laut : „Verhunzung und Zertrümmerung“

Im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ reflektiert Frank Schirrmacher über die CDU in der Krise:



„Die CDU hat an ihre an die Finanzmärkte ausgeliehenen immateriellen Werte, ihre Vorstellung vom Individuum und vom Glück des Einzelnen, niemals zurückgefordert. Sie hat nicht nur keine Verantwortung für pleitegehende Banken verlangt, sie hat sich noch nicht einmal über die Verhunzung und Zertrümmerung ihrer Ideale beklagt. Entstanden ist so eine Welt des Doppel-Standards, in der aus ökonomischen Problemen unweigerlich moralische Probleme werden. Darin liegt die Explosivität der gegenwärtigen Lage, und das unterscheidet sie von den Krisen der alten Republik. (...)

Angela Merkel war bisher nicht in der Lage, die moralischen Folgen der Krise in der Eurozone zu thematisieren. Das ist schlimm genug. Undenkbar, dass zu Zeiten Erhards nicht ein Selbstverständigungsprozess eingesetzt hätte. Dafür fehlt der Partei augenscheinlich das Personal. Denn die Macht dazu fehlt ihr keineswegs.“

Im „Spiegel“ kritisiert der Theologe Rolf Schieder die deutsche Obsession mit dem Islam:

„Woher kommt die Obsession, alles und jedes auf den Islam zu beziehen? Vor 15 Jahren gab es in Deutschland rund zwei Millionen türkische Migranten. Inzwischen werden sie häufig pauschal zu ,Muslimen’ erklärt. Nicht die Bildungsferne anatolischer Eltern behindert nun angeblich den Schulerfolg der Migrantenkinder, sondern deren Religionszugehörigkeit. Muslimische ,Kopftuchmädchen’ sind zur Bedrohung für den Feminismus ebenso geworden wie zu gefährlichen Gebärmaschinen, die nur noch den ,demografischen Dschihad’ im Kopf haben. Die Gefahr islamischer Parallelgesellschaften wird propagiert, obwohl Deutsche jahrhundertelang in katholischen und protestantischen Parallelgesellschaften lebten.“

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