Meinung : In aller Freundschaft

Von Dieter Fockenbrock

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Wolfgang Clement mag innerlich kochen – nach außen bewahrt der Wirtschaftsminister die Ruhe. Gegen Industriepolitik à la française ist kein Kraut gewachsen. Paris will den angeschlagenen Industriekonzern Alstom mit Milliardenhilfen zu einem europäischen Champion aufpäppeln. Doch die Hoffnung, dass der Konkurrent Siemens dabei eine wichtige Rolle spielen könnte, hat sich am Mittwoch zerschlagen: Alstom erteilte den Deutschen eine klare Absage. Industriepartnerschaften ja, weil es Brüssel so will, aber nicht mit Siemens. Dabei sah es lange Zeit so aus als zögen Berlin und Paris an einem Strang. Gerade erst fädelte Premier JeanPierre Raffarin die Fusion der Pharmakonzerne Sanofi und Aventis ein. Die deutsche Regierung hielt still, wohl in der trügerischen Hoffnung, dass der nächste Industriechampion unter deutscher Mitwirkung entstehen könnte. Doch aus dem Gegengeschäft wird nichts, weil die Franzosen kompromisslos eigene Interessen durchsetzen.

Beispiel Airbus: Das erste deutsch-französische Vorzeigeprojekt wird inzwischen so stark von Toulouse dominiert, dass deutsche Standorte wie verlängerte Werkbänke wirken. Oder Aventis: Nach der Fusion mit dem französischen Konkurrenten Rhone-Poulenc einigten sich die Partner zumindest auf eine neue Firmenzentrale – die Grenzstadt Straßburg. Durch die Sanofi-Übernahme ist jetzt auch Straßburg passé. Clement und Regierungschef Gerhard Schröder können also eine Menge lernen, wenn sie sich nächste Woche zum industriepolitischen Gipfel mit ihren französischen Kollegen treffen. Dabei sollten sich die deutschen Politiker aber auch erzählen lassen, was die jahrelange Championade den französischen Steuerzahler gekostet – und was es ihm gebracht hat. Trotz der Milliarden, die Paris in Banken wie in die Industrie gepumpt hat, zählen die Kostgänger keineswegs zu den Weltmarktführern. Im Gegenteil: Konzerne wie Renault haben es aus eigener Kraft geschafft, in die erste Liga der Autohersteller aufzusteigen. Clement und Schröder sollten sich nicht vom Virus des Staatsinterventionismus infizieren lassen. Geld dafür haben sie ohnehin nicht.

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