Meinung : Indianer auf Linientreue

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In der „taz“ schreibt Adrienne Woltersdorf, wie Deutschland Amerika retten wird:

Als ich im letzten Sommer in Oklahoma zu Besuch bei einigen Cherokees war, die dort ihre Friedenspfeife rauchten, gestanden sie mir, dass sie zwar furchtlose Kämpfer seien, sie aber zwei Ängste plagen. Nämlich die, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte und dass im nächsten Sommer wieder eine deutsche Indianertanzgruppe zu Besuch kommen würde. Denn wie mir einer der Häuptlingssöhne erzählte, sei er in seinem sorglosen Indianerleben noch nie so zusammengestaucht worden wie neulich, als diese Kasseler Gruppe ihn anmeckerte, weil er den Cherokee-Sonnentanz völlig falsch tanzen würde.

Die Hessen hatten den Sonnentanz vor drei Jahren bei einem Workshop in Oklahoma gelernt, ihn akribisch repetiert, während die nichtsnutzigen Cherokees sich gern mal was Neues ausdenken, um ein bisschen Abwechslung in ihre Traditionen zu bringen. Und nun die Drehungen ganz anders machten. Aber nix da. Die Kasseler haben das herumlungernde Indianervolk mit ihrer Linientreue so auf Trab gebracht, dass die Cherokees, abhängig vom Tourismus, ihre offizielle Homepage nun auch auf Deutsch betreiben, um nicht nur Hessen über kulturelle Weiterentwicklungen auf dem Laufenden zu halten.

Aber welchen Segen der deutsche Geist in die tiefsten Ecken der Vereinigten Staaten getragen hat, das konnte ich erst im schönen Südwesten, genauer den Felslandschaften New Mexico erfassen. Dort haben Deutsche … die empirische Kakteenforschung zu ungeahnter Blüte getragen: Tausende von Jahren blieb es der Menschheit versagt, das Wachstum von Kakteen zu messen, weil sie eben so langsam wachsen. Bis ja, bis die Deutschen kamen. Die erfanden die Kakteenmessung mit GPS – und sind darin bis heute unangefochten Weltspitze! Also, Mr. Bush, here comes Angie !

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