Internet : Leistung nur gegen Geld

High sein, frei sein, online muss dabei sein - die Netz-Piraten haben bei der Europawahl auch in Deutschland fette Beute gemacht. Dabei vergessen sie eines: Es gibt kein Menschenrecht auf kostenloses Internet.

Joachim Huber

Die Piraten sind auch im Berliner Szenebezirk Friedrichshain-Kreuzberg an Land gegangen. Sie haben sich zur Partei formiert und bei der Europawahl mit 3,4 Prozent der Stimmen fette Beute gemacht. Das ist so sensationell wie das Programm der Piratenpartei schmal: ein minimal reglementiertes Internet mit dem Recht auf kostenlose Downloads.

Am Montag haben mehrere deutschen Printverlage unfreiwillig darauf reagiert. Mit der „Hamburger Erklärung“ wehren sie sich gegen die fortgesetzte Netz-Piraterie, gegen den Diebstahl geistigen Eigentums, dass sich im Internet jeder auch dort kostenlos bedient, wo explizit keine Selbstbedienung herrschen soll.

High sein, frei sein, online muss dabei sein. Die Flatrate fürs Surfen als Freifahrschein fürs Kopieren (vulgo: Klauen?). Klar, unzählige Inhalte im Netz sind nicht einen Cent wert, viele „Einsteller“ denken überhaupt nicht ans Geldverdienen. Prima, soll so sein. Merkwürdig, ja bedenklich wird es, dass der Urheber einer Netz-Leistung stets ausgeblendet wird. Es herrscht das Regime des Nutzers. Wer klickt, hat recht, wer angeklickt, downgeloaded, kopiert wird, der hat Pech. Der Urheber ist rechtlos in einem rechtsfreien Raum. Das ist eine tiefe Missachtung, es ist ein Missbrauch.

Nimmt es der Kraft und der Herrlichkeit und der Anarchie des Internets etwas, wenn ein Netz-Kreativer für die Nutzung seiner Leistung die Hand aufhält? Wenn er von denen, die von ihm profitieren, seinen Profit haben möchte? Wer so argumentiert, hat in den Augen der Netz-Piraten längst verloren. Eine Spaßbremse ist er, ein „old boy“, der einfach nicht anerkennen will, dass es ein Menschenrecht auf ein Gratisinternet gibt, geben muss. Dahinter liegt ein Generationenkonflikt. Früher forderten die „alten Säcke“ lauthals „freie Liebe“, jetzt fordern sie ein „kostenpflichtiges Internet“ mit Rechten und Pflichten. Beim Gedanken, dass mit dem Online-Netz als Lebensgrundlage, als Geschäftsmodell Beute gemacht wird, fällt der Pirat tot vom Mast.

In der Realwirtschaft kostet ein Film im Kino Eintritt, kostet ein gedrucktes Buch, kostet eine Zeitung. Durch die freiwillige oder eben unfreiwillige Transformation der Inhalte in ein Medium der Bits & Bytes hat sich am Charakter der Inhalte nichts geändert. Doch die Anspruchshaltung hat sich verändert. Was einmal produziert und bezahlt worden ist, darf immer wieder reproduziert und muss niemals bezahlt werden, sagt der Nutzer.

Der Urheber und der Verwerter, sie dürfen anders denken. Wenn sie sagen, Leistung nur gegen Geld, haben sie nicht nur recht, dann ist ihre Forderung gerecht. Andernfalls werden sie schnöde um ihre Anstrengung gebracht und werden vielleicht keine neue Leistung im Netz für den Nutzer erbringen. Das Risiko liegt auf jeden Fall bei jenen, die Content nur gegen Bezahlung an die Netz-Rampe liefern: Sie können übergangen, ja missachtet werden. Sie werden schon sehen, was sie von ihrer Politik der aufgehaltenen Hand haben. Solches Risiko, eine solche Anarchie müsste den Piraten gefallen.

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