Meinung : Isoliert und hochgerüstet

In Nordkorea erinnert alles an den Korea-Krieg, der vor fünfzig Jahren endete

Harald Maass

Ein halbes Jahrhundert nach dem Koreakrieg herrscht noch immer Kalter Krieg. An der Demarkationslinie stehen sich zwei hochgerüstete Armeen gegenüber, darunter 37.000 Soldaten der US-Armee auf der Seite des Südens. Die Situation ist bis heute so angespannt, dass es regelmäßig zu Schießereien und Zwischenfällen kommt.

Im Gegensatz zu Südkorea, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer wohlhabenden Demokratie entwickelt hat, muss Nordkorea nicht an den Krieg erinnert werden. Für die Menschen in dem isolierten Staat ist der Krieg nie wirklich beendet worden. Das Land ist bis heute in ständiger militärischer Alarmbereitschaft. Propagandaposter auf öffentlichen Plätzen und Berichte in den Staatsmedien mahnen zu ständiger Wachsamkeit vor dem „imperialistischen Feind“. Die meisten Männer tragen Uniformen. Kinder gehen zum Militärzirkus, sehen Zeichentrick-Kriegsfilme und nehmen an paramilitärischen Übungen teil. Sirenengeheul und Bunkerübungen gehören für die 22 Millionen Menschen zum Alltag.

Nordkoreas Regime braucht den Feind von außen, um von den Problemen im Inneren abzulenken. Der Diktator Kim Jong Il, der die Macht von seinem 1994 verstorbenen Vater Kim Il Sung erbte, steht mit dem Rücken zur Wand. Sein Land ist bankrott. Die meisten Fabriken, die früher von den Ostblockstaaten mit Rohstoffen und Energie versorgt wurden, mussten die Produktion herunterfahren oder einstellen. Die Landwirtschaft ist kollabiert. Seit Mitte der Neunziger Jahre sind Hunderttausende Menschen verhungert.

Mit Unterstützung der Stalins und Mao Zedongs hatte Kim Il Sung 1950 den Süden überfallen und damit den Krieg ausgelöst. Heute ist das Regime in Pjöngjang isoliert. Nach dem Ende der Sowjetunion ließ Moskau den ehemaligen Bruderstaat fallen. Der große Nachbar China, das mit einer sogenannten „Freiwilligenarmee“ auf der Seite des Nordens kämpfte, macht heute lieber Geschäfte mit Südkorea.

Kims letzte Trumpfkarte ist das Atomprogramm. Anfang des Jahres beendete Pjöngjang die Zusammenarbeit mit der Internationalen Atombehörde, die bisher die Nuklearanlagen überwachte. Das Regime ist damit in der Lage, ungehindert atomwaffenfähiges Nuklearmaterial produzieren. Kim Jong Il will die USA zu Verhandlungen zwingen. Als Gegenleistung für die Aufgabe seiner Atompläne fordert er finanzielle Hilfe sowie Sicherheitsgarantien der USA.

Washington hätte die Chance, den Kreislauf aus Drohungen und Gegendrohungen zu durchbrechen. Doch offenbar fällt es auch den USA schwer, die Schatten des Krieges zu überspringen. Statt direkte Verhandlungen mit Pjöngjang aufzunehmen, verfolgt die Bush-Regierung eine Politik der Härte gegenüber Pjöngjang. Washington stoppte die Öllieferungen und verschärfte das Handelsembargo. Im Gegenzug treibt das Regime in Pjöngjang sein Atomprogramm weiter voran. Nach eigenen Angaben soll Nordkorea die Wiederaufbereitung von 8000 bisher eingelagerten Brennstäben abgeschlossen haben – der erste Schritt zum Bau von Atombomben. Nach einem halben Jahrhundert wächst in Korea wieder.

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