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Jean-Claude-Périsset, Apostolischer Nuntius : "Ich werde ihn vertreten, nicht meine Haltung"

Der Apostolische Nuntius Erzbischof Jean-Claude-Périsset beschreibt den Papst als "Diener der Diener Gottes". Als Diplomat ist der freundliche Schweizer überaus erfahren und nicht zu unterschätzen.

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Aus Anlass des „sechsten Jahrestages der Wahl Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. zum Nachfolger Petri“ hatte der Apostolische Nuntius Erzbischof Jean-Claude-Périsset in der vergangenen Woche Diplomaten und Priester in die Nunitatur nach Neukölln gebeten. Mit dem anstehenden Papstbesuch hatte die der diplomatischen Routine geschuldete Feier nichts zu tun. Darauf hatte der Nuntius zwei Tage zuvor in der St.-Hedwigs-Kathedrale eingestimmt. In seiner Predigt war er auf die Bedeutung des Papstamts eingegangen, als Unterstützung des Glaubens auf dem Weg zur Erlösung. Er beschrieb den Papst als „Diener der Diener Gottes“ und sagte, dass „jede Trennung von Rom eine schwebende Haltung zur Kirche Christi“ mit sich bringe.

Der 72-jährige Périsset wurde 1939 als eines von fünf Kindern einer Konditorenfamilie im frankophonen Teil des Schweizer Kantons Fribourg geboren. Der promovierte Theologe wurde 1964 zum Priester geweiht und ist Experte für Ökumene. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre war er im Päpstlichen Rat an der Erarbeitung der katholisch-lutherischen Erklärung zur Rechtfertigungslehre beteiligt und betrachtete das Dokument als „Durchbruch in der Ökumene“. Anschließend ging er als Nuntius nach Rumänien, wo er half, den ersten Besuch eines Papstes in einem orthodoxen Land seit dem Schisma von 1059 vorzubereiten. Als er im 2007 sein Amt als Apostolischer Nuntius in Deutschland antrat, betonte er zu Beginn die Wichtigkeit eines Fortschritts in der Ökumene im Heimatland des Papstes: „Ich werde ihn vertreten, nicht meine eigene Haltung.“

Bereits zu Beginn des Jahres hatte Benedikt XVI. Katholiken und Lutheraner dazu aufgerufen im Jahr 2017 des 500-jährigen Jubiläums der Reformation gemeinsam zu gedenken. Auf die Ernennung des ersten Papstes Petrus als Fels, auf dem die Kirche aufgebaut werden sollte, war Jean-Claude Périsset in der Predigt in der Hedwigs-Kathedrale ebenfalls eingegangen. Wer das als Affront auffasste, könnte vorschnell geurteilt haben. Als Diplomat ist der freundliche Schweizer überaus erfahren und nicht zu unterschätzen. Seine Ausbildung erhielt er an der Päpstlichen Diplomatenakademie und wirkte später in vielen diplomatischen Vertretungen des Vatikans. Gut möglich, dass zwischenzeitliche Turbulenzen vor allem den Weg ebnen sollen, den Papstbesuch im September am Ende auch ökumenisch zu einem Erfolg zu machen.

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