Jean-Yves Le Drian: : „Unser Ziel ist die völlige Rückeroberung“

Sein Vater war Dockarbeiter, er berät seit Jahren Francois Hollande. Nun verantwortet Jean-Yves Le Drian den Einsatz in Mali. Ein Porträt

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Der Ehrgeiz wächst mit dem Erfolg. Am Anfang ging es Frankreich in Mali darum, den Vormarsch der bewaffneten islamistischen Gruppen nach Süden zu stoppen. Dann kam als Ziel der französischen Intervention hinzu, die rückwärtigen Stützpunkte der Terroristen durch gezielte Luftschläge zu zerstören. Daneben stellte sich die Aufgabe, durch die Entsendung mehrerer Kompanien für den Schutz der Hauptstadt Bamako zu sorgen und die Sicherheit der dort lebenden Franzosen zu sorgen. Auf längere Sicht steht Frankreich zudem vor dem Problem, die desorganisierte Armee des 15 Millionen Einwohner zählenden Landes neu zu strukturieren und auf die Aufgabe vorzubereiten, die Verteidigung des Landes selbst zu übernehmen. Jetzt hat Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian der französischen Interventionstruppe ein neues ambitioniertes Ziel vorgegeben: die völlige Rückeroberung des in seinem nördlichen Teil von religiösen Fanatikern kontrollierten Landes: „Wir werden keine Inseln des Widerstands zulassen.“

Das war keine eigenmächtige Äußerung, die von höherer Stelle, sprich vom Staatspräsidenten als oberstem Befehlshaber der Streitkräfte, nicht gedeckt wäre. Le Drian ist dessen Experte in Verteidigungsfragen. Beide kennen und schätzen sich seit 30 Jahren. Le Drian beriet Hollande im Wahlkampf in allen Fragen – von der Finanzierung des Verteidigungsbudgets über die Rolle der Nuklearmacht bis zum Abzug aus Afghanistan. Die Grundsatzrede des Kandidaten Hollande zur künftigen Sicherheitspolitik Frankreichs trug seine Handschrift. So war es die logische Folge dieses engen Vertrauensverhältnisses, dass Hollande seinen langjährigen Vertrauten nach dem Wahlsieg Mai zum Verteidigungsminister berief.

Für die breite Öffentlichkeit war der Name des 1947 in der bretonischen Hafenstadt Lorient geborenen Politikers damals weitgehend unbekannt. Der Sohn eines Dockarbeiters wuchs in einem christlich-sozialen Milieu auf, studierte Geschichte und schloss sich der Sozialistischen Partei an. Er war Bürgermeister von Lorient und Präsident des Regionalrats der Bretagne. Im Parlament, dem er 25 Jahre angehörte, avancierte er zum anerkannten Experten für Fragen der Verteidigung. Vergeblich bot ihm Präsident Sarkozy zweimal das Verteidigungsressort an. Mit der „Operation Serval“ genannten Intervention in Mali erlebt Hollandes strategischer Vordenker jetzt seine Feuertaufe.

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