Meinung : Jenseits der Lager

-

In Deutschland hat es in diesem Sommer einen Streit darüber gegeben, ob denn das, was Innenminister Otto Schily zur Aufnahme von Flüchtlingen in Nordafrika vorgeschlagen hat, ein „Lager“ zu nennen sei oder nicht. Mittlerweile, im Herbst, ist die Politik schon ein bisschen klüger geworden und stellt die eigentlichen Fragen: Wie kann man Menschen aus Afrika vom oft todbringenden Fluchtversuch über das Mittelmeer abhalten, ohne sie in den nordafrikanischen AnrainerLändern gleich wieder unmenschlichen Bedingungen und dem neuerlichen Zugriff von Schleppern auszusetzen? Unabhängig davon, ob man das Aufnahme-„Zentren“, „Einrichtungen“ oder wie auch immer nennt. Diese schwierige Frage, an der sich jetzt die Innenminister Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Spaniens in Florenz abarbeiten, hat schon lange keinen akademischen Wert mehr. Längst gibt es Flüchtlingslager in der libyschen Wüste, in denen Schwarzafrikaner auf die Abschiebung in die Heimat warten. Dort sind Menschen zusammengepfercht, denen der Sprung über das Mittelmeer nicht geglückt ist, die aber überlebt haben und von den italienischen Behörden wieder abgeschoben wurden. Weil sich das Problem der illegalen Einwanderung nicht von alleine erledigen wird, tut die EU gut daran, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Schließlich ist die Flucht übers Mittelmeer alles andere als ein rein italienisches Problem – nur jeder fünfte illegale Einwanderer bleibt nach seiner Odyssee über das Mittelmeer in Italien. ame

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben