Meinung : Jetzt aber schnell

Der Transrapid – es wird Zeit, sich zu entscheiden. Am besten dafür. Weil es sich lohnt

Stephan-Andreas Casdorff

Da gab es doch den Werbespruch der Bahn „Alle reden vom Wetter – wir nicht“. Also dann: Alle reden von Modernisierung – reden wir vom Transrapid. Und zwar schnell. Denn dieses Projekt hat nicht nur schon länger eine beträchtliche Laufzeit. Bereits zu Zeiten des Kanzlers Helmut Kohl (die auch schon wieder eine halbe Ewigkeit her ist) setzte sich Verkehrsminister Matthias Wissmann für die neue Technik ein. Deshalb wird dieses Projekt jetzt ernsthaft ein Prüfstein für deutsche Innovationsfähigkeit.

Das jahrelange Feilschen um die Finanzierung des Transrapid setzt sich auch unter der großen Koalition fort. Nach dem Berliner Nein zu höheren Zuschüssen hielt Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) der Bundesregierung kürzlich vor, die Verwirklichung des High-Tech-Projekts sei „vorrangig im deutschen Interesse“. Recht hat er. Und gut, dass ihn Edmund Stoiber unterstützt, dabei auch nicht zögert.

Doch der Bund will nicht. Warum? Weil die Koalition vorsichtshalber auf Sicht fährt. Grundsätzlich ist das kein unsympathischer Wesenszug. Aber sie will heute sparen, obwohl morgen Milliarden verdient werden könnten. Das Dumme ist nur: Wer anerkennt, dass es ein herausragendes Interesse an der 1,8 Milliarden Euro teuren Magnetschwebebahn gibt, muss dem jetzt bei der Finanzierung Rechnung tragen. Die CSU will – die CDU nicht? Das wäre nicht gut für die Union.

Die Chinesen haben den Wert des Projekts verstanden. Das hat sich vor wenigen Wochen wieder gezeigt, und zwar ausgerechnet, als Außenminister Frank-Walter Steinmeier das Land besuchte. In China lassen sie den Transrapid schon seit längerem auf 30 Kilometern nach Shanghai fahren, vielleicht bald auch auf einer längeren Strecke. Und in der Zwischenzeit? Werden sich die Meister der Kopisten die Technik genau ansehen, die zu kopieren sich lohnt.

Sie wissen, warum. Der Transrapid ist schnell, moderner als die Rad-Schiene-Technik, nicht anfällig für einen Radbruch – einen wie in Eschwege –, ist kein „Stelzenmonster“. Er kann auch ebenerdig fahren! Kurz: Der Transrapid kann der Weg sein, den rapide steigenden Flugverkehr und die wachsenden Belastungen der Umwelt zu verringern und trotzdem Reisen wie im Flug zu ermöglichen. Wenn er gebaut wird und fährt, in Deutschland und darüber hinaus. Warum nicht von Berlin über Warschau nach Moskau?

Wer das als Erster erkennt, der fährt nicht nur zuerst, der verdient auch schneller. Das ist wie bei den Flachbildschirmen oder beim Fax-Gerät. Da dachten sich die Wettbewerber auf dem weltweiten Markt auch: Lasst die Deutschen mal reden – und sicherten sich zwischenzeitlich den Technologievorsprung.

Ach ja: Vom Wetter können wir auch nicht besser reden.

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