Joe Biden : "Wenn Obama fragt, werde ich Vizepräsident"

Wegen der Krisen in Georgien und Pakistan wird der demokratische Senator Joe Biden als Kandidat für die Vizepräsidentschaft gehandelt.

Christoph von Marschall

Die USA zelebrieren „VeePee Week“: die Woche, in der Barack Obama seinen Vizepräsidentschaftskandidaten benennen muss. Am Montag beginnt der Parteitag, auf dem die Demokraten ihr Team für das Weiße Haus inthronisieren. In der Woche darauf folgen die Republikaner. Die Erwartungen sind groß. Nur tun weder Obama noch McCain den Neugierigen den Gefallen, einen Hinweis zu geben. Die Medien spekulieren über einen engeren Kreis von bis zu je fünf Personen.

Wegen der Krisen in Georgien und Pakistan taucht bei den Demokraten ein Name wieder auf, um den es seit Monaten still war: Joe Biden, Senator aus Delaware und Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses des Senats. Der 65-Jährige war selbst Präsidentschaftsbewerber, gab wegen Mangel an Unterstützung aber früh auf. Im Juni sagte er, wenn Obama ihn frage, werde er als Vize kandidieren. Über das Wochenende reiste er nach Georgien. Halb Amerika fragt nun: in Obamas Auftrag? Ohne dessen Zustimmung wäre er nicht gefahren, das gilt als sicher.

Biden ist das Gegenprogramm zu den beiden anderen Favoriten für den VP-Posten. Wenn Obama sich für Tim Kaine, den 50-jährigen Gouverneur von Virginia, oder Evan Bayh, den 52-jährigen Senator von Indiana, entscheidet, ist das Kalkül klar: Sie sollen die Botschaft des Generationswechsels verstärken und ihren jeweiligen Heimatstaat für Obama gewinnen. Virginia und Indiana gehören zu den umkämpften „Swing States“. Bayh ist zudem ein Zentrist, der wertkonservative Republikaner gewinnen kann.

Biden könnte dagegen die geringe außenpolitische Erfahrung des 47-jährigen Obama ausgleichen. Angesichts der Zuspitzungen im Kaukasus und im Krisengebiet Afghanistan/Pakistan gewinnt McCains Ruf als Vietnamheld und alter Hase auf der internationalen Bühne an Gewicht. Biden ist sieben Jahre jünger, hat aber 14 Jahre mehr Senatserfahrung. Er wurde 1972 erstmals gewählt, McCain 1986. Biden ist der älteste Sohn einer kinderreichen katholischen Familie aus Pennsylvania, praktizierte als Rechtsanwalt und war in den ersten Senatsjahren alleinerziehender Vater; seine erste Frau starb bei einem Autounfall.

Er ist ein eigenwilliger Denker und führt mitunter ein loses Mundwerk. Über Obamas Erfolg spottete er 2007: „Endlich mal ein Schwarzer, der sich ausdrücken kann, intelligent und sauber ist und auch noch gut aussieht.“ Christoph von Marschall

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