Meinung : Kein guter Witz

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Auch Aktionäre können witzig sein. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank meinte einer, im Vergleich mit den Pannen der Spitzenbanker Rolf Breuer und Jo Ackermann „muten die Peanuts von Herr Kopper als ebensolche an“. Kann schon sein. Kopper hatte ein paar Dutzend Millionen Mark als Peanuts bewertet. Breuer dagegen plapperte über die Kreditwürdigkeit eines großen Kunden (Leo Kirch) und leitete damit dessen Ende ein. Ackermann schließlich erstaunte mit dem VictoryZeichen im Mannesmann-Gerichtssaal und provozierte Wellen der Empörung, als er eine Verdopplung des Gewinns und gleichzeitig die Streichung von 6400 Arbeitsplätzen bekannt gab. Weniger Jobs gleich mehr Gewinn – so schlicht war plötzlich das Geschäftsmodell der großen Deutschen Bank. Ackermann hatte es versäumt, den Mitarbeitern und der Öffentlichkeit zu erklären, welche Stellen warum gestrichen werden müssen. Allein auf die höheren Renditen der internationalen Konkurrenz zu verweisen, reicht ebenso wenig aus wie sein jüngster Hinweis, andere Unternehmen bauten noch mehr Arbeitsplätze ab. Diese dünnen Erklärungsversuche Ackermanns auf der Hauptversammlung stehen in ziemlichem Missverhältnis zur Bedeutung der Bank und zum Gehalt ihrer Führungskräfte. Auch die Beteuerung, er wolle keine kurzfristige Gewinnmaximierung und schon gar keinen Raubtierkapitalismus, mag Ackermann gut meinen. Aber wer nimmt es ihm ab? Die Eseleien der Vergangenheit haben Image und Glaubwürdigkeit ramponiert. Und das ist gar nicht witzig. alf

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