Meinung : „Kein Mensch ist perfekt, …

Nicole Adolph

… aber ein Team kann es sein.“

Sportlich gesehen ist der passionierte Marathonläufer Klaus Kleinfeld ein Einzelkämpfer. Doch bei Siemens, dessen Vorstandschef der 46-Jährige im Januar 2005 werden soll, hat er bewiesen, dass er auch ein hervorragender Teamspieler ist. „Ich habe in der Reagan-Administration und bei General Electric unter Jack Welch gearbeitet, aber nie jemanden getroffen, der ein besserer Kommunikator und Konsensbilder wäre als Kleinfeld“, sagt ein führender Siemens-Mitarbeiter in den USA über ihn. „Er geht immer auf seine Mitarbeiter ein und macht nie Dinge im Alleingang“, heißt es aus dem Arbeitnehmerlager.

Gelobt wird Kleinfeld, der als Kind mit seinen Eltern aus der DDR nach Bremen floh, auch für seine Bescheidenheit und sein soziales Engagement, das er in einigen Hilfsprojekten bewies. „Er ist nicht in Gefahr abzuheben, weil er aus eigener Erfahrung weiß, dass einem das Gold nicht in den Schoß fällt“, sagt ein Vertrauter. Auch bei Siemens, wo er 1987 im Vertrieb einstieg, achtete der studierte Betriebswirt stets streng aufs Geld. Zuerst verhalf er der Medizintechnik, der Lieblingssparte von Konzernchef Heinrich von Pierer, als Bereichsleiter zu Höhenflügen bei Umsatz und Gewinn. Ab 2001 brachte er dann das kriselnde US-Geschäft mit dem Cross-Selling-Konzept „One Siemens“ auf Vordermann. Das Konzept, alles aus einer Hand anzubieten, will Kleinfeld bald auch in Deutschland einführen.

Ein Schub ist in der Kommunikationssparte, einer der wichtigsten Konzernsäulen, zu erwarten. Als kleiner Vorgeschmack ist Kleinfeld schon mal mit der Zusammenlegung der Netzwerk- und Mobilfunksparten vorgeprescht. Unrentable Randbereiche dürfte Kleinfeld mittelfristig abstoßen. Kleinfeld, der in den vergangenen Jahren alle Strategieprogramme des Konzerns mit entwickelt hat, dürfte auch das Ungleichgewicht zwischen Produktion und Umsatz weiter optimieren. Siemens hat knapp ein Drittel seiner Mitarbeiter im Inland, erwirtschaftet aber 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Auf Kleinfeld dürften also noch einige unangenehme Stellenverlagerungs-Debatten zukommen. Seine kommunikativen Fähigkeiten wird er noch oft unter Beweis stellen müssen.

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