Meinung : Kein Ort nirgends

„Ein Ehepaar ist keine Frau“ vom 18. April

Als Ludmilla Assing (1821–1880) im italienischen Exil starb, vermachte sie ihre gesamten literarischen Papiere den Berlinern: Hunderttausende wertvolle, einzigartige Briefwechsel, u. a. auch die literarische Hinterlassenschaft Rahel Levins und ihres Ehemanns, Varnhagen von Ense. Es sind unschätzbare Zeugnisse der christlich-jüdischen Verständigung, darunter Briefe der Mendelssohn-Familie, zahlreiche Manuskripte der Romantiker, die gesamte literarische Hinterlassenschaft des Fürsten Pückler und eine einzigartige Sammlung von Büchern. Nie wurde ihr dafür gedankt, im Gegenteil, man hatte Ludmilla Assing steckbrieflich gesucht, zu Haftstrafen verurteilt und mit antisemitischen und antifeministischen Schmähungen bedacht, aus der Berliner Gesellschaft ausgegrenzt und schließlich ins Exil getrieben. Seit dem Zweiten Weltkrieg liegen die Varnhagen-Handschriften in Krakau.

In Berlin erinnert kein Ort, keine Institution an die Nichte Varnhagens, ihre Schriften über die Frauenemanzipation in Italien und Deutschland, über die italienische Risorgimento wurden nie wieder aufgelegt. Nicht einmal ein Saal in der Staatsbibliothek ist nach ihr benannt. Wie wäre es, wenn Ludmilla Assing, die Cousine Fanny Lewalds, die Tochter des jüdischen Mediziners David Assur Assing und der Schwester K. A. Varnhagens, einen Platz in Berlin bekäme?

Dr. Nikolaus Gatter,

Varnhagen Gesellschaft e. V., Köln

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