Meinung : Kein Vergnügen

Von Henrik Mortsiefer

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Wenn große Konzerne zusammengehen, dann steht viel auf dem Spiel: Arbeitsplätze, Kunden, Marktanteile. Nicht anders ist das bei der Fusion von BMG und Sony Music, die die EUKommission am Dienstag genehmigt hat. Für die beiden Musikkonzerne geht es aber noch um mehr. Sony-BMG verspricht sich von der Fusion nicht weniger als die Rettung einer ganzen Branche: Mit größerer Marktmacht, einem kleineren Apparat und niedrigeren Kosten will sich das neue Unternehmen gegen einen bedrohlichen Markttrend stemmen.

Die Musikbranche leidet unter drastisch sinkenden Umsätzen, weil sich die vergnügungswillige Kundschaft entweder im Internet mit Gratismusik versorgt oder sich die Zeit anders vertreibt – mit Klingeltönen fürs Handy, Spielkonsolen oder anderen Tonträgern. Zwar steigen die Umsätze wieder leicht an, aber an der Erkenntnis kommt die Branche nicht vorbei: Die CD ist ein Auslaufmodell, jedenfalls für die jugendliche Zielgruppe. Warum sollte jemand im Laden 17 Euro für einen altmodischen Tonträger zahlen, wenn das gesuchte Album im Internet umsonst zu haben ist oder – ganz legal – auf der Online-Musikplattform von Apple 9,99 Euro kostet? Die Konzerne kennen die Antwort und haben nun endlich reagiert. Besser gesagt: Sie haben angefangen zu reagieren. Denn die Entwicklung ist den Labels so rasant vorausgelaufen, dass sie den Zug der Zeit nur noch mit Mühe erreichen werden. Sinkende CD-Preise und eine Abschaffung des lästigen Kopierschutzes sind ein Anfang – mehr nicht.

Ob Sony Music und BMG, die Bertelsmann Music Group, zusammen schneller und kundenfreundlicher sein werden, als sie es als Konkurrenten waren, ist ungewiss. Zunächst kommt eine gewaltige Aufräumarbeit in einem Geschäft mit sensiblen Künstlern und eigensinnigen Managern auf beide zu. Das dürfte kein Vergnügen werden. Eine Studie belegt, dass etwa die Hälfte aller Fusionen scheitert, weil unterschiedliche Kulturen nicht unter ein Konzerndach gepasst haben. Bei BMG dürfte man die Untersuchung kennen: Sie stammt von der Bertelsmann-Stiftung.

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